Prozess : Explosion mit Goldbrand

Oberfeldwebel nach Lagerfeuer vor Gericht. Obwohl Glasflaschen verboten waren, ging eine Flasche Goldbrand um. Als sie ins Feuer geworfen wurde, explodierte sie und ein Soldat erlitt bei dem Gelage einen Tinnitus. Nun steht der Oberfeldwebel vor Gericht.

Kerstin Gehrke D

Glasflaschen waren verboten, mit Schnaps gefüllte erst recht. Doch bei frostigen Temperaturen während eines Feldlagers in Sachsen-Anhalt scherten sich zumindest einige der Berliner Soldaten wenig darum. Eine Flasche Goldbrand kreiste, wurde am Ende ins Lagerfeuer geworfen, explodierte mit lautem Knall und verursachte bei einem Soldaten einen Tinnitus. Einer seiner Vorgesetzten soll mit scharfen Drohungen versucht haben, die Sache unter den Tisch zu kehren. Seit gestern sitzt der Oberfeldwebel vor Gericht. Mitangeklagt ist ein Hauptfeldwebel wegen Beihilfe.

Der Oberfeldwebel ist 30 Jahre alt und hat breite Schultern. Kopfschüttelnd hörte er das, was ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft: fahrlässige Körperverletzung, Nötigung, Verstoß gegen das Wehrstrafgesetz. Er soll im Januar 2008 die leere Schnapsflasche ins offene Feuer geworfen haben. Nach Rückkehr in die Reinickendorfer Julius-Leber-Kaserne soll er dem Untergebenen, der nach der Explosion unter Schmerzen und Geräuschen im Ohr litt, angedroht haben, er würde sich sein eigenes Grab schaufeln, wenn er von dem Vorfall berichte. Zunächst schwieg der Oberfeldwebel.

Auch der Mitangeklagte weist die Vorwürfe zurück. „Ich habe nie zu dem Mann gesagt, dass er die Sache beim Arzt falsch darstellen soll“, sagte der Hauptfeldwebel. Im Unfallprotokoll allerdings hatte er den Alkohol im Dienst verschwiegen. Im Gerichtssaal wurde nun viel über „Flurfunk“ gesprochen. „Es wurde gesagt, dass wir den Knall mit einem Knacken eines großen Astes im Feuer erklären sollen“, sagte ein Ex-Soldat. Nach Version eines anderen sollte die Story lauten: „Ein Schuss hat sich gelöst.“ Dieser Zeuge berichtete von späteren Besuchen des Oberfeldwebels in der Stube des Tinnitus-Verletzten. „Er fühlte sich zunehmend unter Druck gesetzt.“ Der Zeuge schränkte dann ein: „Ist alles Empfindung.“ Das mutmaßliche Opfer soll am 15. September aussagen. Kerstin Gehrke

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