Prozess : Freispruch: Mord in Spielhalle ungeklärt

Michael K. wurde Anfang Februar nach einem Mord an einer Angestellten einer Spielhalle in Neukölln festgenommen. Seit gestern ist er wieder auf freiem Fuß.

Kerstin Gehrke

Eine Woche nach dem Mord an einer Angestellten einer Spielhalle in Neukölln war Michal K. festgenommen worden. Das war Anfang Februar. Seit gestern ist er wieder in Freiheit. „Die Tat war ihm nicht mit der gebotenen Sicherheit nachzuweisen“, hatte zuvor das Landgericht entschieden. Dem 21-jährigen Polen war vorgeworfen worden, die 39-jährige Frau erstochen und 3750 Euro aus dem Tresor und der Kasse geraubt zu haben.

Der gelernte Gärtner war häufiger in der Spielhalle. Als er kurz nach dem Mord an Angela B. am 24. Januar als Zeuge vernommen wurde, verwickelte er sich in Widersprüche. Er sei zur mutmaßlichen Tatzeit zu Hause gewesen, behauptete er. Das Gegenteil konnte bewiesen werden. Die Ermittler fanden in der Spielhalle zudem einen Zettel: „Junger Pole zwei Euro verschluckt.“ Angela B., die aus der Ukraine stammt und im Kiez sehr beliebt war, hatte sich das notiert, weil eine Münze im Automaten stecken geblieben war. Und eine Zigarettenkippe galt als Indiz gegen den Polen. Sie lag hinter einem Automaten. „Aber ein Verdacht ist keine Schuld“, sagte die Vorsitzende Richterin.

Weder am Opfer noch im Tresenbereich seien Spuren des Angeklagten gefunden worden. Am Tresor sei eine DNA festgestellt worden, die nicht ihm gehöre. Eine Spur, die bislang nicht zuzuordnen war. Zweifel an seiner Täterschaft würden sich auch aus seinem Verhalten nach dem Mord ergeben. Nachbarn hatten Michal K. am Vormittag zwischen 10 und 11 Uhr erlebt. „Da war nichts Auffälliges“, hatte ein 60-jähriger Zeuge erklärt. Die Tat geschah vermutlich zwischen 8.15 und 9.15 Uhr.

Michal K. hat die Vorwürfe stets bestritten. Sein Verteidiger schätzte die Beweislage als „sehr fragwürdig“ ein. Michal K. hatte sich zwar kurz vor seiner Festnahme ein Auto gekauft. Doch das war ein älterer Wagen für 850 Euro. Weder Tatmesser noch Beute oder verdächtige Kleidung wurden bei ihm gefunden.

War es wirklich ein Raubmord? Auf der Leiche lag ein Schild mit der Aufschrift „Reserviert“. Der Täter stach 27 Mal zu. Das lasse auf „große affektive Erregung schließen“, hieß es im Urteil. Auch eine Beziehungstat sei denkbar. Im Mordfall Angela B. ist alles wieder offen.

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