Berlin : Prozess: Gefährlicher Liebeskummer

Kerstin Gehrke

Mitten im Satz brach Ali Basaran ab. Statt Worte brachte der langjährige Moderator des türkischen Fernsehsenders TD 1 am Ende des Prozesses nur noch ein Schluchzen hervor. Immer wieder hatte der 41-Jährige erklärt, dass er sich den Angriff mit einem Messer auf eine zwölf Jahre jüngere Kollegin nicht erklären könne, dass er die Frau geliebt habe. "Ich möchte mich entschuldigen", sagte er vor dem Amtsgericht Tiergarten und Tränen rannen ihm übers Gesicht. Als die Richterin wenig später das Urteil verkündete, stand er mit gesenktem Kopf im Saal. Wegen gefährlicher Körperverletzung wurde Ali Basaran gestern zu drei Jahren Haft verurteilt.

Ali Basaran und Arzu C. hatten sich etwa ein halbes Jahr vor der Tat am 7. Januar 1999 kennengelernt. Er moderierte das Berlin-Magazin, sie eine Kindersendung. Vor Gericht sprach der Angeklagte von einer Liebesbeziehung zwischen ihm und der verheirateten Frau. Die Zeugin berichtete zwar von Liebeserklärungen des Mannes, bestritt aber, ein Verhältnis mit ihm gehabt zu haben. Der Angeklagte dagegen blieb dabei. "Wir wollten zusammen leben, sprachen sogar über Heirat", sprudelte es aus Basaran heraus. Doch Arzu C. habe sich nicht von ihrem türkischen Ehemann lösen können. "Mal wohnten wir zusammen, dann ging sie wieder zu ihrem Mann zurück." Es habe ein wochenlanges Hin und Her gegeben - "einmal Ja, einmal Nein, ich wusste nicht, was ich machen sollte".

Am Morgen des Tattages kam seine geliebte Kollegin zu ihm. Jedenfalls nach seiner Schilderung. Arzu C. dagegen will dort gewesen sein, um eine Kollegin abzuholen. "Aus dem Fenster rief er mich zu sich rein", hatte sie stets beteuert. Auf jeden Fall hatte Basaran in seiner Weddinger Wohnung den Frühstückstisch gedeckt. Für zwei Personen. Sie eröffnete ihm nach seiner Darstellung, dass sie doch nicht mit ihm zusammenleben könne.

Für Basaran brach eine Welt zusammen. Er flehte: "Ich liebe dich doch." Und er verlangte: "Bitte, bring mich um." Er nahm ein Messer und hielt Arzu C. den Griff hin. Dass er auf sie eingestochen habe, sagte der Angeklagte, daran erinnere er sich nicht mehr. Er sei erst wieder zu sich gekommen, als er das viele Blut sah. Da habe er das Messer weggeworfen, Arzu C. Wasser gereicht und eine gemeinsame Kollegin alarmiert.

Dann ging er. Er fuhr bis nach Nürnberg und stellte sich am nächsten Tag. Das Messer fand die Polizei im Backofen. Wer es dort versteckte, konnte nicht geklärt werden. Vielleicht war es sogar die Frau. Der Verteidiger von Basaran sagte, dass sie sogar den Tatort auf die Straße verlegen wollte - möglicherweise aus Angst vor ihrem Ehemann.

Das Gericht war überzeugt, dass es die von Ali Basaran geschilderte Liebesbeziehung gab. "Anders lässt sich das Geschehen nicht erklären", hieß es im Urteil. Der Angeklagte habe in einem Affektzustand gehandelt, meinten die Richter und folgten damit der Einschätzung eines Gutachters. Er habe die zweifache Mutter aber so schwer verletzt, dass sie noch heute körperlich und psychisch darunter leide. Auch ihre Arbeit habe die Frau verloren.

Der Journalist, der vier Wochen in Untersuchungshaft saß, bleibt nach der Entscheidung der Richter bis zur Ladung zum Strafantritt auf freiem Fuß. Er arbeitet zwar noch für TD 1, Moderator ist er dort aber nicht mehr.

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