Prozess gegen Eventagentur "Easy Abi" : Um die Abi-Party geprellt

Tausende von Abiturienten wurden vor knapp drei Jahren um ihren Abi-Ball gebracht. Sie ließen ihn von der Eventagentur "Easy Abi" organisieren, dachten sie. Doch diese Festlichkeit am Ende der Schulzeit fand nie statt. Nun stehen die vier Männer vor Gericht.

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Die geprellten Abiturienten des Sartre-Gymnasium Hellersdorf konnten dank Sponsoren und etwas Zusatzfinanzierung doch noch einen festlichen Abend im Maritim-Hotel verbringen.
Die geprellten Abiturienten des Sartre-Gymnasium Hellersdorf konnten dank Sponsoren und etwas Zusatzfinanzierung doch noch einen...Foto: Paul Zinken

Die Schüler zahlten und freuten sich auf ihren Abi-Ball. Doch die Eventagentur Easy Abi hielt sich vor knapp drei Jahren nicht an die Abmachungen. Tausende von Abiturienten wurden um ihre Party gebracht. Nun wurde der Fall vor dem Landgericht aufgerollt. Es geht um die Firma, die finanziell komplett ausgehöhlt in die Pleite gerutscht war. Wer bediente sich mit wessen Wissen und Wollen an den 360 000 Euro auf dem Firmenkonto? Vier Geschäftsleute stehen vor Gericht. Schuldig fühlen sie sich nicht.

Als Quartett saßen die Männer erst gegen Ende der Firma zusammen. Auf der einen Seite David H. und Marcel L., 30 und 36 Jahre alt. Sie waren bis Mai 2011 die Gesellschafter der Firma und verkauften 'Easy Abi' dann für 400 000 Euro an Karl-Heinz R., der als Investor mit viel Kapital in der Hinterhand aufgetreten sei.

Der 58-Jährige sprach über große Projekte und kam mit einem Scheck in Höhe von knapp einer Million Dollar. Dass er als Betrüger vorbestraft ist, wussten die anderen Akteure nicht. Als neuer Geschäftsführer wurde Rainer S. eingesetzt. 

Als sich der dicke Scheck von R. als total wertlos erwies, floss das Vermögen der Firma als Kaufpreises an die Verkäufer – laut Anklage angeblich auf deren Betreiben. Untreue wird H., L. und S. vorgeworfen, bei R. geht die Anklage von Betrug zu Lasten der Vorbesitzer aus. Nun stöhnten sie über die kurze gemeinsame Zeit und stellten sich als „arglistig getäuscht“ dar.

Unwissenheit über die Herkunft des Geldes

Reiner S., der letzte Geschäftsführer von Easy Abi mit Sitz in Kreuzberg, teilte als erster gegen Mitangeklagte aus. „R. berichtete, dass er mit dem Ankauf von sehr lukrativen Unternehmen befasst sei“, begann der 67-Jährige. Karl-Heinz R. habe in einer Villa in Grunewald residiert und über Millionen-Objekte gesprochen. Dem Mann habe er leider vertraut. Tatsächlich habe er 360 000 Euro überweisen, gab S. zu. „Ich wusste aber nicht, dass es von Schülern eingezahlte Gelder waren“, bestritt er einen beabsichtigten Schwindel. Er sei damals mit H. bei der Bank gewesen. „H. hätte es mir sagen müssen.“

Daniel H. wiederum will sich mit dem geplatzten Scheck nicht befasst haben. S. habe sich als neuer Chef um die Überweisung des Kaufpreises gekümmert. Und L. sagte am Rande des Prozesses, er habe lediglich ein Unternehmen, das völlig in Ordnung war, verkauft. Dass es Abiturienten-Gelder waren, die auf seinem Konto landeten, will auch er nicht gewusst haben. Was den Schülern passierte, tue ihm leid. Schuldig sei er nicht.

Party zu Lasten der Schüler

In dem Skandal wurden bei den mutmaßlichen Verantwortlichen insgesamt rund 360 000 Euro beschlagnahmt. Die geprellten Abiturienten aber mussten sich Ersatz-Partys organisierten. Viele Sponsoren halfen aus. Ein vorsätzlicher Schwindel durch Easy Abi zu Lasten der Schüler konnte nicht nachgewiesen werden. Der Prozess geht am Dienstag weiter.

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