Berlin : Prozess gegen mutmaßlichen Darkroom-Mörder beginnt

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Die Männer plauderten mit Dirk P. und tranken dabei völlig arglos. Die giftigen K.-o.-Tropfen, die er ihnen ins Getränk gemischt hatte, bemerkten sie nicht. Der 38-Jährige soll fünf Opfer mit der Droge Liquid Ecstasy betäubt haben, um sie auszurauben. Für drei der Männer, 32 bis 41 Jahre alt, war die Dosis tödlich. Die Taten geschahen laut Anklage für eine Beute von gerade einmal um die 400 Euro. Neun Monate nach der grausamen Serie steht der mutmaßliche Darkroom-Mörder ab Freitag vor dem Landgericht.

Kaltblütige Gier soll Dirk P. getrieben haben, als er im Internet nach dem Stoff suchte, der eigentlich als Lösungsmittel in der Industrie dient. Er soll das Gift in kleine Schnapsflaschen umgefüllt haben.

Für seinen ersten Anschlag verabredete er sich mit einem ebenfalls schwulen Mann. Die beiden hatten sich nach einem Streit lange nicht gesehen. P. soll den 34-Jährigen am 26. April mit einer Überdosis im Wasserglas ermordet haben. Den Toten legte er ins Bett und drapierte alles so, als wäre er dort gestorben. Mit der Kreditkarte des Opfers kaufte er am Bahnhof für 270 Euro ein Zugticket.

Mit der zweiten Tat neun Tage später wurde er mutmaßlich zum Darkroom-Mörder. In einem abgedunkelten Raum einer Schwulenkneipe in Friedrichshain war er mit einem 32-Jährigen allein. Er soll ihn mit Liquid Ecstasy im Bier erst betäubt, dann gewürgt und beraubt haben. Wieder soll er umgehend versucht haben, die Kreditkarte seines Opfers einzusetzen, was aber misslang.

Nur zehn Minuten später bot er einem 26-Jährigen Schnaps an. Als auch er zusammenbrach, soll P. etwas Bargeld und eine Kreditkarte erbeutet haben. Das Opfer überlebte, weil eine Passantin einen Notarzt rief. Mit der Kreditkarte wurde eine Fahrkarte für 135 Euro nach Saarbrücken gelöst. Dabei nahm eine Überwachungskamera Bilder auf, mit deren Hilfe Dirk P. als Tatverdächtiger ermittelt werden konnte. Er wuchs in Saarbrücken auf, arbeitete dort als Krankenpfleger, studierte später in Berlin Pädagogik.

Im vierten Fall hatte laut Anklage ein Sexpartner von P. Glück, weil er nur am Schnaps nippte. Am 15. Mai traf sich der mutmaßliche Mörder dann mit einem 41-Jährigen, den er über das Internet kennengelernt hatte. Die Dosis Liquid Ecstasy, die ihm P. ins Wasserglas gekippt haben soll, war tödlich. Nach seiner Festnahme Ende Mai gab er zu, K.-o.-Tropfen verabreicht zu haben, eine Tötungsabsicht aber bestritt er. Kerstin Gehrke

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