Prozess gegen Nadja Auermann : Keine Freude an der Villa am See

Im Prozess gegen Nadja Auermann und ihren Ex-Mann Wolfram Grandezka wegen mutmaßlicher Steuerhinterziehung wurden die ersten Zeugen vernommen.

von
Das Gericht muss klären, ob Nadja Auermann zwischen 1999 und 2002 hauptsächlich in Deutschland – und nicht in Monaco – lebte. Foto: dapd
Das Gericht muss klären, ob Nadja Auermann zwischen 1999 und 2002 hauptsächlich in Deutschland – und nicht in Monaco – lebte.Foto: dapd

Die siebente Zeugin musterte Ex-Top-Model Nadja Auermann kurz und ließ mit ihrem ersten Satz aufhorchen: „Ich war im Haushalt das Kindermädchen.“ Wer sich bei einer solchen Aussage ein heiteres Familienleben in dem großen Haus am See vorstellen wollte, wurde nur Sekunden später eines Besseren belehrt. „Das war ganz sporadisch“, schränkte das einstige Kindermädchen ein. „Mal einen Tag“, schrumpfte die Rolle der 66-jährigen Zeugin in jenem Haus, das Auermann wohl noch nie Freude brachte, weiter.

Auermann, Model, Schauspielerin und Mutter von drei Kindern, saß am Donnerstag wieder auf der Anklagebank – dezent geschminkt, leger gekleidet, sehr konzentriert. Steuern in Höhe von exakt 272 498 Euro soll sie dem Fiskus vorenthalten haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sie zwischen 1999 und 2002 nicht in Monaco ihren Lebensmittelpunkt hatte, sondern in einer Villa in Köpenick. Mitangeklagt ist ihr 41-jähriger Ex-Mann, der Schauspieler Wolfram Grandezza. Für Auermann sind die Vorwürfe absurd. „Ich bin unschuldig“, hatte sie am ersten Prozesstag erklärt. Erst 2002 habe sie sich entschlossen, wieder nach Deutschland zu ziehen. Die Immobilie am See sei als Investition gedacht. Nie habe sie dort gelebt. Das Haus habe sich als Fehlkauf herausgestellt und sei bis 2003 nicht bewohnbar gewesen.

Ganz so schilderte es am zweiten Prozesstag ein 56-jähriger Zeuge: „Eigentlich war alles ein Desaster.“ Als guter Freund habe er mit seiner Firma zunächst die Bauleitung übernommen, die Aufgabe aber bald abgegeben. „So eine Immobilie offenbart ja pausenlos Geheimnisse.“ Ziel sei es gewesen, das Haus zu vermieten. Auermann habe über ein Leben im Haus nicht nachgedacht. Im Gegenteil. „Wir bemühten uns, sie wieder nach Deutschland zu locken.“ Das Model aber habe damals deutlich abgelehnt.

Monaco oder Berlin? Sechs Jahre liefen die Ermittlungen. Etliche Unterlagen und Fotos landeten in Akten. Auf einem Bild pustet ein Kind Kerzen aus. Etwa eine Feier in der Villa? Oder ist es doch ein Foto aus Monaco? Was ist mit dem Sofa, das später in Auermanns Wohnung in Potsdam stand? Montag geht es weiter.

3 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben