Prozess im Fall Maria P. : Ein verräterischer Geruch nach Benzin

Im Prozess um den Mord an einer Schwangeren spricht ein Zeuge über eine nächtliche Begegnung mit einem der Beschuldigten.

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Ort des Gedenkens. In dem Waldstück, wo die Leiche der ermordeten Maria P. gefunden worden war, stehen Kreuze, Kerzen und Blumen.
Ort des Gedenkens. In dem Waldstück, wo die Leiche der ermordeten Maria P. gefunden worden war, stehen Kreuze, Kerzen und Blumen.Foto:Zinken/ dpa

Der Zeuge mauerte. „Ich kann mich wirklich nicht erinnern, ob ich Daniel M. in der Nacht am Transporter erkannt habe“, nuschelte der 23-Jährige am Dienstag. Er ist ein Freund von M., der gemeinsam mit Eren T. wegen des grausamen Mordes an der schwangeren Maria P. vor Gericht steht. Kurz vor und nach der Tat soll M. in der Nähe des Hauses des Zeugen gewesen sein. Bei der Polizei gab Sascha G. zu Protokoll: „Daniel stand mit einer Frau am Transporter, es war die Frau, die hingerichtet, ermordet wurde.“

Der zweite Tag im Prozess gegen Daniel M. und Eren T., zwei 20-Jährige. Sie haben die Aussage verweigert. 70 Zeugen wollen die Richter nun befragen, um zu klären, was genau am 22. Januar geschah, warum Maria P. sterben musste. Sie war 19 Jahre alt und im achten Monat schwanger, als sie in ein Waldstück in Adlershof gelockt, mit einem Teleskopschlagstock attackiert, niedergestochen, schließlich mit Benzin übergossen und angezündet wurde. Die junge Frau, von Eren T. schwanger, verbrannte laut Gutachten bei vollem Bewusstsein. Weil die beiden Angeklagten die Geburt des Kindes verhindern wollten, so der Staatsanwalt.

„Er roch beißend nach Benzin“

Der Zeuge provozierte Empörung unter den Zuhörern. „Nein, ich weiß nicht, ob M. am Transporter stand, kann mich auch an die Frau nicht erinnern“, wollte er sich von einer möglicherweise belastenden Aussage entfernen. Er schaffte es nicht. Seine Mutter habe einen „Shitstorm“ gegen ihn befürchtet, erklärte der Zeuge und kehrte zu seinen früheren Angaben zurück.

Erst habe er M. am Kleintransporter gesehen, dann sei sein Kumpel mitten in der Nacht bei ihm aufgetaucht. Verschmutzt, nervös. „Er roch beißend nach Benzin.“ Daniel M., ein Kraftprotz ohne Schulabschluss und mit angeblicher Affinität zum Rockermilieu, habe ihm bei dem Besuch anvertraut: „Ich habe Scheiße gebaut.“ Es sei etwas mit einer Frau in einem Wald. „Ein Kumpel hat sie mit Benzin übergossen, angezündet. Ich wollte ihn noch abhalten, habe es nicht geschafft“.

Morgen werden weitere Zeugen befragt

Der Zeuge sagte, nach Darstellung von M. in jener Nacht hätten sie dem Mädchen „nur ein bisschen Angst machen wollen – wegen einem Kind“. Die Sache sei dann aber eskaliert. G. erklärte weiter: „Daniel war fix und fertig.“ Der Kumpel habe sich bei ihm noch umgezogen und sei dann los, um den geborgten Transporter zurückzubringen.

Mit leicht gesenktem Kopf hörte M. zu. Der 20-Jährige sei bekannt dafür gewesen, „dass er mit so was wie einem Totschläger rumläuft“, sagte der Zeuge. Ein lebensfroher Typ sei M. und einer, der „ziemlich schräg“ sei. „Er hält sich für den Größten.“ Ermittler bezeichneten M. als „emotional robust“. Mehrfach hatte er sich bei der Polizei zu den Vorwürfen geäußert und seinen Kumpel Eren T. der grausamen Tat bezichtigt. Eren habe das Kind nicht gewollt, er habe ihn nicht stoppen können im Wald. T. wiederum beschuldigte M. und erklärte, dieser sei mit Maria P. im Kleintransporter weggefahren. Morgen werden weitere Zeugen befragt, darunter M.s Freundin.



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