Prozess in Berlin : Angeklagter gesteht tödliche Attacke auf Künstlerin

Ein Tourist aus Belgien verbrachte den Abend mit einer Künstlerin in Kreuzberg und tötete sie. Der Belgier gesteht die Tat, hat aber keine Erklärung dafür.

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Das Berliner Landgericht in der Littenstraße im Bezirk Mitte.
Das Berliner Landgericht in der Littenstraße im Bezirk Mitte.Foto: dpa

Der IT-Manager aus Belgien hatte sich kurzfristig zu einem Besuch in Berlin entschieden. Kreuzberg wollte er sich vor allem ansehen. Er lernte in einer Bar eine Künstlerin kennen. Doch die Nacht endete tödlich: Der 56-jährige Stephan M. soll die 41 Jahre alte Künstlerin in ihrer Kreuzberger Wohnung getötet haben. Nach mehreren Flaschen Wein und einvernehmlichem Sex. „Ich kann mir selbst nicht vergeben, dass es zu der Tat gekommen ist“, sagte er nun vor dem Landgericht. 

Der Angeklagte, dem Totschlag zur Last gelegt wird, fuhr sich mit der Hand durch seine grauen, strähnigen Haare. „Bruchstücke sind bei mir nur da.“ Es tue ihm alles so leid. „Besonders, dass ein Sohn seine Mutter verloren hat“.

Heftiger Streit

Ewa K., eine Künstlerin mit polnischen Wurzeln, war dem Belgier am Abend des 17. März zufällig über den Weg gelaufen. Eine Malerin, die leidenschaftlich gelebt haben soll, extrovertiert, nicht immer einfach für andere. Nachbarn sagten, sie hätte Musik oft „volle Pulle“ gehört, Männer mit in die Wohnung genommen und später rausgeworfen, viel getrunken. „Ich fühlte mich angezogen“, so der Angeklagte. „Und ihr Englisch war gut.“ Sie hätten nett geredet. „Sie schlug vor, zu ihr zu gehen.“ Auf dem Weg kauften sie Wein.

Es war 20.57 Uhr, als es zum heftigen Streit kam, „der gegen 21.05 Uhr in einer körperlichen Auseinandersetzung mündete“, so die Anklage. M. habe schließlich sein Taschenmesser eingesetzt und auf Hals, Oberkörper, Arme der Künstlerin eingestochen. Die Frau sei verblutet. Um seine Spuren zu vertuschen, habe der Belgier die Couch angezündet und sei dann geflohen.

Täter hat Alkoholproblem

Der IT-Manager, der seit längerem ein Alkoholproblem hat, fuhr in seine Heimat. Doch Bilder einer Spätkauf-Überwachungskamera führten rasch auf seine Spur. Drei Tage später stellte sich M. in Belgien. „Mein Sohn rief mich zuvor an, weil er in einer Zeitung ein Bild von mir gesehen hatte.“

Warum kam es zu Messerstichen? „Ich weiß es nicht, ich habe dafür keine Erklärung“, so der Angeklagte. Nach dem Sex habe er aus Versehen ein Glas Rotwein umgekippt. „Da ist sie plötzlich ganz wütend geworden.“ Sie habe ihn in den Arm gebissen. „Ich habe sie daraufhin geschlagen.“ Er habe ein Bild im Kopf, das Ewa K. mit seinem Taschenmesser in der Hand zeige. „Dann das Bild: Ich stehe im Wohnzimmer, sie liegt auf dem Boden, überall ist Blut.“ In Panik sei er geflohen. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

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