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Prozess in Berlin : Falscher Aida-Arzt zu drei Jahren Haft verurteilt

Das Gericht sprach ihn unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung schuldig. Fünf Jahre praktizierte Denny H. ohne Ausbildung als Arzt.

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Der Angeklagte Denny H. im Gerichtssaal des Kriminalgerichts in Moabit.
Der Angeklagte Denny H. im Gerichtssaal des Kriminalgerichts in Moabit.Foto: Rainer Jensen/dpa

Denny H. alias Dr. med. Cato H. konnte sich wohl nicht entscheiden, ob er das strafrechtliche Ende seiner Lebenslüge tränenreich oder doch mit Erleichterung aufnehmen sollte. Drei Jahre Gefängnis verhängte das Landgericht gegen den falschen Arzt, der zuletzt für zehn Monate auf einem Aida-Kreuzfahrtschiff tätig war und zuvor Narkosen durchgeführt hatte. H. schmückte sich fünf Jahre mit Doktortitel. Ohne Abitur, ohne Studium. Er baute auf seine Kenntnisse, die er als gelernter Krankenpfleger erlangt hatte.

Eines lässt aufatmen: Patienten scheinen nicht zu Schaden gekommen zu sein.

Obwohl Denny H. in 41 Fällen in einer Praxisklinik Narkosemittel verabreichte und als Schiffsarzt mehr als 1300 Passagiere und Crew-Mitglieder behandelte. Echte Ärzte und durch H. getäuschte Arbeitgeber wurden als Zeugen befragt. Sie stellten dem Hochstapler, der sie mit falschen Dokumenten getäuscht hatte, gute Zeugnisse aus. Bis hin zur Erklärung: „Er war der beste Arzt, den wir hatten.“

Schuldig der gefährlichen Körperverletzung, des Betrugs, der Urkundenfälschung, des Titelmissbrauch sowie der Freiheitsberaubung im Zusammenhang mit den durchgeführten Narkosen. Patenten sei nichts passiert, so die Richter. „Aber es bestanden Risiken – der Angeklagte wäre nicht in der Lage gewesen, bei Komplikationen einzugreifen.“

Er nahm als Arzt 500.000 Euro ein

Denny H. wollte bereits als kleiner Junge Medizinmann werden. So hatte er es den Richtern geschildert. „Ich wollte immer Menschen helfen“, beteuerte er nach achtmonatiger Untersuchungshaft. Das Abitur wollte er ablegen. Doch weil er Probleme mit dem Stiefvater hatte und neben der Schule arbeiten ging, musste er das Gymnasium verlassen. „Ein tragischer Fall“, sagten seine Verteidiger. Sie hatten auf Bewährung plädiert.

Der Krankenpfleger aus Sachsen-Anhalt war nach etwa zehnjähriger Tätigkeit unzufrieden geworden.

Den Richtern erklärte er, für ihn seien die zunehmend wirtschaftlichen Aspekte im Krankenhausalltag nicht mehr zu ertragen gewesen. Er habe „den Patienten wieder in den Mittelpunkt“ stellen wollen. Aus Sicht der Richter aber trieb ihn „kein reiner Altruismus“, als er sich in den Arztkittel log.

„Es ging um Selbstaufwertung und darum, dass ein Arzt mehr Geld verdient.“ Er nahm als Mediziner 500.000 Euro ein.

Er erschlich sich mit gefälschten Dokumenten als angeblicher Anästhesist und Intensivmediziner 2010 bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation eine Stelle als Koordinator. H. dozierte dann vor angehenden Krankenschwestern und Pflegern und verabreichte in einer Praxisklinik als Aushilfe Narkosemittel.

Schließlich heuerte er als Schiffsarzt an. Nun will er die Branche wechseln: Als Assistent bei einem befreundeten Dokumentarfilmer. Bis zur Rechtskraft des Urteils kam der falsche Arzt frei.

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