Prozess in Berlin : Vier Jahre Haft für Schleuser von 236 Syrern

Rund 400.000 Euro kassierte ein kriminelles Team von Schleusern. Jetzt muss ein Drahtzieher für fast vier Jahre hinter Gitter.

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Ein Prozess im Strafgericht.
Ein Prozess im Strafgericht.Foto: dpa

Ein kriminelles Netzwerk von Mailand bis nach Dänemark hatten Moustafa A. und seine Komplizen aufgebaut. Sie machten monatelang Geschäfte mit dem Flüchtlingselend. A. sei nachweisbar an der Schleusung von 236 syrischen Kriegsflüchtlingen von Italien über Österreich nach Deutschland beteiligt gewesen, urteilte das Landgericht. „Das war kein Gutmenschentum, sondern ein finanzielles Ausbluten der Geschleusten.“ Der 30-jährige A. muss für drei Jahre und zehn Monate hinter Gitter. Der aus Ägypten stammende Moustafa A. lebte seit längerer Zeit in Mailand. Dort sei seine finanzielle Lage schlecht gewesen, Sozialleistungen habe es für ihn nicht gegeben, stöhnte er in dem Prozess wegen gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländern.

Rund 700 Euro pro Person kassierte die Gruppe

Flüchtlinge hätten ihn um Hilfe gebeten. Es sei ihm aber auch um Gewinn gegangen. Anfang 2014 begann er, illegale Fahrten über Autobahnen, Nebenstraßen und Grenzen zu organisieren. Bis zu 17 Menschen sollen pro Tour geschleust worden sein. Im Falle von A. und seinen Komplizen sei das aber „schonend“ geschehen, so die Richter. Rund 700 Euro pro Person kassierte die Gruppe – geschätzte 400 000 Euro insgesamt. Der Bahnhof von Mailand als ein Umschlagsplatz des Flüchtlingselends. Dort sollen Schleuser ihre Opfer finden. Die Drahtzieher verhandeln die Preise und heuern für möglichst wenig Geld Fahrer für die Touren quer durch Europa an. Moustafa A. sei innerhalb seiner Gruppierung zu einer „Schnittstelle“ geworden. „Er hat eine wichtige Rolle eingenommen“, hieß es im Urteil. Die Ermittlungen hatten in Flensburg begonnen. Die Bundespolizei nahm im Juni 2014 einen Bruder von A. und zwei Komplizen in Berlin fest. Er wurde im Oktober in Italien verhaftet und ausgeliefert. Seine Anwälte sagten, er habe vergleichsweise wenig Gewinn gemacht. „50 bis 100 Euro pro Person, die auf der gesamten Flucht bis zu 10 000 Euro losgeworfen sind.“

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