Prozess nach tödlicher Schlägerei : Tod nach Fehlpass- Zwölf Angeklagte vor Gericht

Nach einem Streit beim Fußball wurde vor vier Jahren der 18-jährige Yusef El-A. erstochen. Nun stehen die Beschuldigten vor Gericht.

Kerstin Gehrke
In der Fritzi-Massary-Straße in Berlin-Neukölln verstarb am 4. März 2016 Yusef El-A. durch einen Stich in den Oberkörper.
In der Fritzi-Massary-Straße in Berlin-Neukölln verstarb am 4. März 2016 Yusef El-A. durch einen Stich in den Oberkörper.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Nach einem simplen Fehlpass kippte die Stimmung auf dem Fußballplatz. Es wurde gefoult, gerempelt, gepöbelt und geschlagen auf dem Bolzplatz im Norden Neuköllns. Einige Zuschauer wollten schlichten – und zogen Ermittlungen zufolge den Zorn der Streithähne auf sich. Es gab eine Verfolgung, dann eine Rangelei. Am Ende lag der 18-jährige Yusef El-A. tödlich verletzt auf der Straße. Vier Jahre später stehen zwölf Angeklagte, 22 bis 27 Jahre, vor einem Jugendgericht.

Keiner der zumeist aus türkischen oder arabischen Familien stammenden Angeklagten ist verantwortlich für den Messerstich, durch den der junge Mann aus ihrer Gruppe starb. Ein damals 34-Jähriger, der Ermittlungen zufolge als Schlichter aufgetreten war, hatte ein Messer gezogen, als er aus einer Horde von etwa 20 Jugendlichen attackiert wurde. Es sei Notwehr gewesen, waren die Ermittler später überzeugt. Den Bekannten von Yusef El-A. wird vorgeworfen, sich „an einer Schlägerei beteiligt zu haben, durch die der Tod eine Menschen verursacht worden ist“. Zudem wird ihnen Landfriedensbruch zur Last gelegt.

„Als großer Verbrecher wird hier keiner angesehen“

Der Fall hatte für Bestürzung gesorgt. Zunächst waren die beiden Schlichter quer durch Neukölln verfolgt worden. Fatih D., als mutmaßlicher Wortführer auf der Anklagebank, soll dann Freunde zusammengetrommelt und wahrheitswidrig behauptet haben, er sei auf dem Sportplatz grundlos verprügelt worden. Yusef El-A., der im Kiez als engagiertes Mitglied des Jugendbeirates bekannt war und als Schlichter galt, schloss sich der Gruppe um den heute 24-jährigen D. an. Obwohl er vorher nicht auf dem Bolzplatz war.

Die Emotionen sollen nun nicht noch einmal hochkochen. „Als großer Verbrecher wird hier keiner angesehen“, sagte der Vorsitzende Richter. Vier Jahre nach dem Drama seien keine Freiheitsstrafen zu erwarten. Zu Aussagen der Angeklagten könnte es Donnerstag kommen.

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