Prozess : Obdachlosen zerstückelt: Anklage fordert lebenslang

Die Tat war "zufiefst menschenverachtend": Wegen Mordes an einem Obdachlosen hat die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe für den Angeklagten gefordert. Sie hält es für erwiesen, dass der Germanistikstudent in seiner Schöneberger Wohnung den Mann mit Axthieben und Messerstichen tötete.

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Der Staatsanwalt spricht in sachlichem Ton, doch das Entsetzen ist unüberhörbar. Der Angeklagte habe eine „zutiefst menschenverachtende Tat“ begangen, sagt Jörg Wetzel am Montag im Landgericht in seinem Plädoyer zu einem der grausigsten Fälle seit langem. Die Tötung des Obdachlosen Jochen G. durch den Studenten Mario Z. „kam einer Hinrichtung gleich“. Der Staatsanwalt spricht von „Vernichtungsbereitschaft“ und „Vernichtungswillen“. Mario Z. hört reglos zu, er rührt sich auch nicht, als Wetzel die Höchststrafe fordert: lebenslang.

Der Student hatte in der Nacht zum 30. August 2009 in seiner Wohnung in Schöneberg den Obdachlosen mit einem Beil erschlagen und mit einem Messer auf ihn eingestochen. Der Leiche trennte Mario Z. den Kopf und die Gliedmaßen ab. Kopf und Torso brachte er zu einem Bahngelände in Schöneberg. Allerdings stellte sich Mario Z. kurz darauf der Polizei.

Der Staatsanwalt bleibt bei seiner Version, Mario Z. habe einen „perfekten Mord“ verüben wollen. Da sei der Hauptbelastungszeuge, ein mit dem Angeklagten bekannter Student, trotz einiger Widersprüche in der Aussage „insgesamt glaubwürdig“, betont Wetzel. Der Zeuge hatte von einem bizarren Gespräch mit Mario Z. berichtet. Anfang 2009 habe man sich über einen perfekten Mord unterhalten. Als ideales Opfer, so schilderte es der Zeuge, habe er selbst einen Obdachlosen genannt. Mario Z. soll dann über die Beseitigung der Leiche fantasiert haben. Nach Ansicht des Staatsanwalts hatte der Zeuge keinen Grund, den Angeklagten unnötig zu belasten. Wetzel geht davon aus, dass der Mordplan monatelang in Mario Z. rumorte, bis er dann am Abend des 29. August am Bahnhof Zoo den Obdachlosen aufgabelte.

Für Wetzel lässt sich nicht ausschließen, dass der Obdachlose noch mit seinen Händen den ersten Schlag mit dem Beil abwehren wollte, also nicht im Schlaf attackiert wurde. Für unglaubwürdig hält Wetzel jedoch weiterhin das von Mario Z. angeführte Tatmotiv. Der Student will sich mit Jochen G. um Wechselgeld nach einem Kauf von Bier gestritten und im Affekt auf das Opfer eingeschlagen haben.

Genau so sieht es jedoch der Verteidiger Matthias Zieger. Sein Mandant sei in Wut geraten, weil Jochen G. „seine Gastfreundschaft missbrauchte“, sagt der Anwalt. Mario Z. neige zu „überschießenden Wutausbrüchen“, außerdem machten ihn schon geringe Alkoholmengen „konfliktfreudig“. Ein psychiatrischer Gutachter hatte nicht ausgeschlossen, Mario Z. könnte in der Tatnacht betrunken und deshalb in seiner Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt gewesen sein.

Das Gespräch über einen perfekten Mord hält der Verteidiger nur für postpubertäres Gerede, wie es „bei jungen Männern durchaus üblich ist“. Und er hebt hervor, Mario Z. hätte sich nicht gestellt, wenn es ihm um einen perfekten Mord gegangen sei. Der Anwalt plädiert auf Totschlag in einem minder schweren Fall und hält eine Strafe „im unteren Drittel“ für ausreichend. Das wären drei oder vier Jahre. Am morgigen Mittwoch wollen die Richter das Urteil verkünden.

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