Prozess : Tochter vernachlässigt - Bewährungsstrafe für Mutter

Wegen Vernachlässigung ihrer Tochter hat das Amtsgericht Tiergarten in Abwesenheit gegen eine 40-jährige Frau eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten verhängt.

Berlin - Da die Angeklagte zum Prozess nicht erschienen war, erließ das Gericht einen Strafbefehl und stellte der Mutter einen Bewährungshelfer zur Seite. Der Kellnerin wurde Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht vorgeworfen. Sie soll im August vergangenen Jahres ihre damals 10-jährige Tochter in der verwahrlosten Wohnung in Reinickendorf allein gelassen haben und zur Arbeit gegangen sein. Die 40-Jährige arbeitet täglich von nachmittags bis ein Uhr nachts in einer Kneipe. Aus Angst vor dem Freund ihrer älteren Schwester soll die 10-Jährige die Polizei gerufen haben.

Als die Beamten in die Wohnung kamen, trafen sie das Mädchen in einer völlig verdrecken, kalten und verdunkelten Wohnung an. Die Ermittler sprachen von katastrophalen hygienischen Zuständen. Die einzige Waschgelegenheit war danach die Spüle in der Küche, die mit schmutzigem Geschirr vollgestellt war. Lebensmittel oder Getränke gab es nicht. Völlig desinteressiert soll die Mutter reagiert haben, als sie von der Polizei gebeten wurde, nach Hause zu kommen. Das Mädchen wurde daraufhin zum Kindernotdienst gebracht. Es stellte sich heraus, dass die Schülerin seit einem halben Jahr nicht mehr in der Schule war.

Nach Angaben des Richters lebt das Mädchen nicht mehr bei seiner Mutter. Auch der Bruder wurde bereits vom Jugendamt in Obhut genommen. "Ich kann nicht beurteilen was vorgefallen ist", sagte die Verteidigerin zum Fernbleiben ihrer Mandantin. Das Gericht könne in solchen Fällen anhand der Akten eine Entscheidung treffen, sagte sie. Sollte die Mutter binnen zwei Wochen keinen Einspruch gegen den Strafbefehl erheben, wird die Bewährungsstrafe rechtskräftig. (tso/ddp)

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