Prozess um den Tod von Friedhelm Sodenkamp : Lebenslang für Mord auf der Fischerinsel

Im November 2008 erschoss Adam M. den Immobilienmakler Friedhelm Sodenkamp. Nun hat das Landgericht den Angeklagten verurteilt. Der Richter sprach von einem "grobmotorisch vorgehenden Killer".

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Der Ex-Fremdenlegionär zog spöttisch seinen Mundwinkel hoch, als er das Urteil hörte. Mehr als vier Jahre nach dem Mord an dem Immobilienmakler Friedhelm Sodenkamp verhängte das Landgericht gegen Adam M. lebenslange Haft. Der 45-Jährige habe den Millionär im Auftrag von zwei Chefs einer kleinen Baufirma erschossen – heimtückisch und aus Habgier, urteilten die Richter am Freitag. Ein Killerlohn von 10000 Euro sei vereinbart gewesen. Das Landgericht stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Eine Freilassung nach 15 Jahren auf Bewährung ist damit ausgeschlossen. Die Verteidigung wird gegen das Urteil vermutlich Rechtsmittel einlegen.
Adam M., ein bulliger Mann mit Igelfrisur, war um Gelassenheit bemüht. Er hatte in der fast acht Monate laufenden Verhandlung die Vorwürfe bestritten – in einem Stunden währenden Monolog. Darin brachte er Zeugen aus dem Rotlichtmilieu, die ihn belastet hatten, als möglicherweise Verdächtige ins Spiel – blieb dabei aber vage. Die Richter hatten keine Zweifel an seiner Schuld. Adam M., der erst bei der polnischen Luftwaffe war und dann bei der Fremdenlegion, hinterließ bei ihnen das Bild eines „grobmotorisch vorgehenden Killers“. Einer, der mit der Tat prahlte und so überführt wurde.

Es war am 3. November 2008, als Friedhelm Sodenkamp am Abend an der Uferpromenade auf der Fischerinsel in Mitte mit seinem Hund spazieren ging. Er bemerkte die in der Dunkelheit lauernde Gestalt nicht. Der Killer schlug zu, als Sodenkamp durch ein Telefonat abgelenkt war. Der 59-jährige Millionär hatte keine Chance. „Adam M. trat von hinten an Friedhelm Sodenkamp heran“, heißt es im Urteil. Mit einer Pistole habe der Angeklagte auf den völlig arglosen Makler gefeuert, drei Schüsse aus nächster Nähe. Sodenkamp wurde in Herz und Kopf getroffen. „Ich habe ein Kreuz geschossen, das ist mein Markenzeichen“, soll sich M. später gebrüstet haben.

Als Anstifter wurden bereits im Februar 2010 die beiden damaligen Chefs der kleinen Baufirma zu jeweils lebenslanger Haft verurteilt. Benjamin Lu. und Vito L. hatten von einem Denkzettel gesprochen: „Wir wollten ihn nur verhauen lassen.“ Sodenkamp hatte dafür gesorgt, dass Gelder für Sanierungen wegen angeblicher Baumängel nicht flossen. Es ging um eine Summe in Millionenhöhe. Lu. und L. standen vor dem Ruin. Sie hofften auf einen Vergleich. Sodenkamp funkte immer wieder dazwischen. Da hätten sie beschlossen: „Er stört bei den Verhandlungen, er muss weg.“

Der nun verurteilte M. arbeitete damals für die kleine Baufirma. Als er im September 2008 nach einem Vorschuss fragte, seien ihm von einem der Chefs 10000 Euro plus Spesen für den Anschlag geboten worden, hieß es im Urteil. Er habe Sodenkamp „verhandlungsunfähig“ machen sollen, irgendwie. Alles andere hätten die Auftraggeber ihm überlassen.

Adam M. habe sich eine Armbrust besorgt und eine Pistole. „Er machte deutlich, dass er Sodenkamp töten werde“, sagte der Richter. Beide Auftraggeber hätten sich gefügt. M. hatte sich wenige Tage nach dem Mord nach Indien abgesetzt. Aus der Ferne habe er Druck gemacht und einen höheren Killerlohn gefordert. Es habe Adam M. geärgert, „wie billig er sich hat abspeisen lassen“. Im März 2009 konnte der international gesuchte Mann festgenommen werden. Ende 2011 wurde er nach Berlin ausgeliefert.

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