Berlin : Prozess um Familiendrama: Junger Türke erschoss Geliebten der Schwester

Vor dem Berliner Landgericht hat am Dienstag der Prozess um ein türkisches Familiendrama begonnen. Ein 17-jähriger Schüler muss sich wegen Mordes an dem Geliebten seiner verheirateten Schwester verantworten. Mitangeklagt ist sein 21-jähriger Schwager. Der Mann soll wochenlang auf die Tötung seines Nebenbuhlers gedrängt haben. Das Opfer, ein 32-jähriger Autohändler, wurde am 15. Juni 2000 in der Lynarstraße in Wedding angeschossen. Der Türke starb wenige Tage später an inneren Blutungen.

Der damals 16-jährige Schüler gestand die Schüsse zu Prozessbeginn. Er sagte aber, er sei kein Mörder. Der Ehemann seiner Schwester habe ihm in den Wochen vor der Tat immer wieder befohlen, den "Hurensohn" zu töten. "Du bist der Held der Familie, du rettest unsere Ehre", habe der Schwager wiederholt gesagt. Der Nebenbuhler wolle die Schwester verkaufen und zur Hure machen.

Der Jugendliche beteuerte vor Gericht, er habe große Angst gehabt. Er sei zum Schluss nicht mehr regelmäßig zur Schule gegangen. Er habe nicht gewusst, was er tun sollte. Mit seinem kranken Vater oder jüngeren Bruder habe er nicht darüber reden können.

Das spätere Opfer hatte der Angeklagte schon längere Zeit gekannt. Der Landsmann sei zeitweise wie ein Freund, zeitweise aber auch wie ein Feind gewesen. Der verheiratete Mann habe einmal erklärt, er könne weder seine Ehefrau noch die Schwester verlassen. Für ihn, so der 17-Jährige, sei es ein Schock gewesen, als er von dem Verhältnis erfahren habe.

Am Tattag sei er mit dem Autohändler in dessen Fahrzeug unterwegs gewesen. Es sei zum Streit gekommen. Der Mann habe seine Familie beschimpft, sagte der 17-Jährige. Der andere sei "sehr sauer geworden". Seinem Eindruck nach habe er im Auto nach einer Waffe gesucht. Er habe "richtig Angst bekommen" und selbst geschossen, ohne dabei hinzusehen. Er habe einen Schrei gehört und sei dann weggerannt.

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

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