Berlin : Prozess um Morde an drei Drogenlieferanten

Kerstin Gehrke

Tödliche Schüsse in Holland sowie der Handel mit großen Mengen Drogen und über 150 000 Euro Falschgeld beschäftigen seit gestern das Landgericht. In dem Prozess sitzen drei gebürtige Libanesen, ein Tschetschene und ein Deutscher als Mitglieder einer Bande auf der Anklagebank. Die Richter haben scharfe Sicherheitsvorkehrungen angeordnet.

Die Männer um den Hauptangeklagten Mounir R. sollen zwischen Januar 2002 und Oktober 2003 in großem Stil den Handel mit Drogen von Holland nach Berlin organisiert haben. Laut Anklage handelte es sich um über 400 Kilogramm Haschisch, mehrere 100 Gramm Kokain und Heroin sowie um 200 000 Ecstasy-Pillen, die in den Niederlanden geordert worden waren. Für die Pillen legte die Bande angeblich Falschgeld auf den Tisch. Zwei Kuriere fuhren von Berlin in die Stadt Helmond. In der Tasche des einen steckte eine Waffe. Als der Schwindel aufflog, soll er drei holländische Drogenlieferanten durch Kopfschüsse getötet haben. Die Staatsanwaltschaft wirft R. unter anderem Anstiftung zum Mord vor.

Der Todesschütze, ein weiterer Tschetschene, wurde in Holland zu lebenslanger Haft verurteilt. Gegen seinen Begleiter erging eine Haftstrafe von 18 Jahren. Die Männer haben umfangreiche Aussagen gemacht, die nun Dreh- und Angelpunkt im Berliner Verfahren sind. Der Schütze soll zugegeben haben, dass ihm ein Killerlohn von 25 000 Euro versprochen worden war. Sein Begleiter räumte Drogengeschäfte ein, bestritt aber eine Verwicklung in den Mord. Beide sollen in den nächsten Wochen unter scharfer Bewachung auf Reisen gehen und als Zeugen vernommen werden. Die Berliner Angeklagten machten es am ersten Verhandlungstag kurz: vier verweigerten die Aussage, einer bestritt über seine Anwältin jede Schuld.

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