Prozess um Müggelheim-Mörder : Zeugin: „Ich habe seine Ausreden geglaubt“

Im Prozess gegen mutmaßlichen Zweifach-Mörder sagt nun die Tochter eines Opfers aus. Auch war sie die Lebensgefährtin des Angeklagten.

Kerstin Gehrke
Personifikation der Gerechtigkeit: Justitia Foto: picture alliance / dpa
Personifikation der Gerechtigkeit: JustitiaFoto: picture alliance / dpa

Sie waren ein Paar, hatten eine gute Zeit, sagte die Nebenklägerin. Dabei sah die 38 Jahre alte Frau nicht zur Anklagebank. Dort sitzt sie mit dem 51-jährigen Dennis M., ihr damaliger Lebensgefährte – und der Mann, der ihre Mutter ermordet haben soll. „Er hatte um meine Hand angehalten“, berichtete die Zeugin leise. Einen Monat vor dem tödlichen Angriff auf ihre Mutter sei das gewesen. „Ich habe ja gesagt.“

Dennis M., der mutmaßliche Müggelheim-Mörder, soll am 21. November 2016 in das Einfamilienhaus seiner Schwiegermutter in spe eingestiegen sein. Laut Anklage soll der arbeitslose Tischler Geld und Wertgegenstände gesucht haben. Als die 66-Jährige den Mann überraschte, habe er mit einem Messer und einem Schraubendreher auf sie eingestochen. M. soll mit 30 Euro Beute geflohen sein. Kurz darauf meldete er den Fund einer Leiche und ließ sich trösten.

Die Tochter der Getöteten saß aufrecht und konzentriert vor den Richtern, als sie sich an die Zeit mit M. erinnerte. Sie hatten sich über das Internet kennengelernt und im Juni 2016 erstmals getroffen. Er habe sich als ein Doktor für Logistik vorgestellt. Als einer, der angestellt sei, über ein gutes Einkommen verfüge. Dennis M. habe ihr sogar einen Kontoauszug gezeigt mit einem Guthaben von 500 000 Euro.

Die Frau, die sich in einer Ausbildung zur Altenpflegerin befindet, zweifelte nicht. Sie wurde auch nicht stutzig, als er angeblich nach dem Verlust der EC-Karte nicht mehr an sein Konto kam und sie für ihn bezahlen musste. Sie nahm ihm ab, dass er wegen eines Rückenleidens und eines verknacksten Fußes monatelang nicht zur Arbeit gehen konnte. „Ich habe ihm seine Ausreden geglaubt“, erklärte die Frau.

Die 38-jährige Zeugin sagte, sie habe den Mann geliebt

Der Angeklagte, ein kräftiger Mann mit Lesebrille auf der Nase, machte sich eifrig Notizen, mehrfach kopfschüttelnd. Im Zuge der Ermittlungen war der Todesfall seiner Ehefrau knapp vier Jahre zuvor neu aufgerollt worden. M. hatte damals einen Suizid gemeldet. Nach erneuter Prüfung geht die Anklage davon aus, dass der dreifache Vater seine Frau erdrosselte und den Tod als einen Selbstmord getarnt habe.

Die 38-jährige Zeugin sagte, sie habe den Mann geliebt. Auch ihre beiden Kinder hätten ihn gemocht. Nur bei ihrer Mutter sei es anders gewesen. „Mit dem Mann stimmt irgendwas nicht“, habe die 66-Jährige erklärt und sei ihm aus dem Weg gegangen. Dennis M. hatte am Morgen der Tat seine Lebensgefährtin noch zur Arbeit gebracht. Einige Stunden später erhielt die 38-Jährige einen Anruf von der Polizei. Als sie zum Haus ihrer Mutter in Müggelheim kam, habe M. in einem Rettungswagen gelegen und heftig geweint, so die angehende Altenpflegerin. Später habe sie sich gewundert, dass er komplett andere Sachen trug als am Morgen. Der Angeklagte schweigt bislang. Der Prozess geht Freitag weiter.


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