Berlin : Prozess um Übergriffe: Die Opfer "nur so" verprügelt

K. G.

Der eine kam eine halbe Stunde zu spät, andere warfen sich während der Verhandlung vielsagende Blicke zu und grinsten. Der Prozess, der gestern vor dem Landgericht gegen sie begann, schien die acht Angeklagten im Alter zwischen 18 und 22 Jahren kaum zu beeindrucken. Sie kennen sich seit vielen Jahren und sind schon oft gemeinsam um die Häuser gezogen. Im vergangenen Jahr sollen sie in einer Kreuzberger Discothek Streit mit Gleichaltrigen gesucht, sie bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen, mit Fäusten traktiert und mit abgebrochenen Bierflaschen angegriffen haben. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten - darunter zwei Frauen - gemeinschaftlichen Raub und mehrfache Körperverletzung vor.

Jeden Sonnabend hielt sich die Kreuzberger Clique im "Golgatha auf. Hier sollen sich drei der vier Übergriffe ereignet haben. Die Brutalität ist erschreckend. Wahllos sollen die Jugendlichen in wechselnder Tatbeteiligung auf ihre Opfer eingeprügelt und Geld gefordert haben. Einem Mann, der sich schwerverletzt in einem Gebüsch vor weiteren Attacken verstecken wollte, wurde in die Nieren und mit voller Kraft gegen das rechte Ohr getreten. Die Opfer erlitten Kopfverletzungen, Schnittverletzungen, Prellungen. Ein junger Mann verlor beinahe das Augenlicht.

In den ersten Aussagen zeigten sich die Angeklagten teilgeständig. "Einfach so" hätten sie von einem Opfer unter Schlägen Geld für die Disco verlangt, sagte einer der jungen Männer. Er und die Mitangeklagten kennen sich aus den Zeiten der Grundschule. Und sie sind heute alle ohne Job. Das Zusammenspiel von Gruppendynamik und Alkohol habe zu den Taten geführt, sagte einer der Verteidiger am Rande des Prozesses. Die beiden Frauen, die ähnlich brutal zugeschlagen haben sollen wie die sechs Männer, sind bereits Mütter. Eine hatte ihr Baby zum Prozess mitgebracht. Am Donnerstag sollen die Opfer als Zeugen aussagen.

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