Berlin : Prozess: Von der Mutter missbraucht

K. G.

Die 14-jährige Silvia verließ weinend den Gerichtssaal. "Ich will nicht, dass meine Eltern ins Gefängnis kommen", sagte sie gestern den Richtern. Die Verzweiflung des Mädchens hat eine lange Geschichte: Silvia ist von ihrer Mutter und von deren Lebensgefährten missbraucht worden. Etwa seit ihrem siebenten Lebensjahr kam es laut Anklage zu den Übergriffen. Silvia erstattete im Sommer 1999 Anzeige. Doch nun habe sie wieder ein "gutes Verhältnis" zu beiden, sagte das Mädchen.

Silvias Mutter Monika L. ist gelernte Erzieherin. Doch bei Beziehungen zu Männern hatte die 45-Jährige kaum Glück. Meist waren es Männer, die wie sie alkoholkrank waren und sie schlugen. Als Monika L. Anfang der neunziger Jahre endlich loskommen wollte von ihrer Sucht, traf sie ihren jetzigen Verlobten. Der 50-jährige Dieter P. war der erste Mann, bei dem sie keine Gewalt erlebte.

Irgendwann habe "das" mit ihrer Tochter angefangen, sagte Monika L. vor dem Berliner Landgericht. Das Mädchen sei meist im Ehebett sexuell missbraucht worden. "Ich habe es mitgekriegt, aber irgendwie so willenlos", sagte Monika L. vor Gericht. Sie saß dabei, als ihre Tochter missbraucht wurde. "Ich habe nichts gesagt, weil ich Angst hatte, dass Dieter mich verlassen könnte", sagte die blonde Frau leise. "Ich weiß, dass ich Mist gebaut habe", gestand Dieter P. im Prozess. Wie Silvias Mutter sprach er davon, dass immer Alkohol mit im Spiel gewesen sei. Heute sei er in Therapie - wegen seiner Alkoholsucht und wegen des Missbrauchs.

Die Staatsanwältin warf der Mutter vor, sie habe durch ihr Verhalten Beihilfe zum schweren sexuellen Missbrauch ihrer Tochter geleistet. "Der Partner war ihr wichtiger als das eigene Kind", sagte die Anklagevertreterin im Plädoyer. Gegen Monika L. beantragte die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Dieter P. soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft für fünf Jahre ins Gefängnis.

Das Urteil soll am Donnerstag verkündet werden.

Silvia, die derzeit in einem Heim lebt, gab den Richtern mit in die Urteilsberatung: "Ich will zurück zu meinem Eltern."

0 Kommentare

Neuester Kommentar