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Prozess wegen Untreue : Windhorst musste zahlen und sich bewähren - vor fünf Jahren

Vor fünf Jahren wurde der einstige Vorzeigeunternehmer Lars Windhorst vom Berliner Landgericht wegen Veruntreuung von rund 930.000 Euro verurteilt . Er kam mit einer milden Strafe davon. Was Kerstin Rebien darüber schrieb.

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Der Unternehmer Lars Windhorst (li.) und sein Anwalt Robert Unger im Gerichtssaal des Berliner Landgerichts.
Der Unternehmer Lars Windhorst (li.) und sein Anwalt Robert Unger im Gerichtssaal des Berliner Landgerichts.Foto: DAPD

Einmal konnte sich Lars Windhorst als Angeklagter quasi freikaufen. Doch nicht alles lässt sich mit Geld regeln. Mit ernster Miene stand der einstige Vorzeige-Unternehmer am Donnerstag erneut vor Gericht. So weiß wie das Einstecktuch in der Brusttasche seines dunklen Anzugs aber wird seine juristische Weste künftig nicht mehr sein: Wegen Untreue in 27 Fällen wurde der geständige Windhorst zu einem Jahr Haft auf Bewährung sowie 108 000 Euro Geldstrafe verurteilt.

Es ging um rund 930 000 Euro, die er zwischen 2002 und 2004 als Vorstand der Windhorst AG aus Firmenvermögen unberechtigt abgezweigt hatte. Damals war es vorbei mit dem kometenhaften Aufstieg, den er bereits als Teenager hingelegt hatte. Windhorst verschleierte, dass er pleite war. „Mir ist klar, dass ich damals in einer Mischung aus Unbedarftheit und Unerfahrenheit Fehler gemacht habe“, erklärte er nun. Er sei 26 bis 28 Jahre jung und die Zeiten turbulent gewesen. Durch das Ende der „Blase am Neuen Markt“ habe sich sein Schicksal gewendet.

Bereits als 15-Jähriger hatte er mit Computerteilen gehandelt und eine Firma mit hunderten Beschäftigten aufgebaut. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl nahm ihn als Wirtschaftswunderkind mit auf Asien-Reisen. Selbst Gegner bescheinigten dem Mann aus Westfalen ein enormes Verkaufstalent und Charisma. Windhorst baute ein Geflecht aus Firmen auf, handelte mit Beteiligungen, wollte einen gigantischen „Windhorst-Tower“ in Vietnam bauen, jonglierte mit Millioneninvestitionen von Geschäftspartnern.

2003 brach alles zusammen. Er habe das nicht hinnehmen und sein Unternehmen retten wollen, erklärte Windhorst vor Gericht. Mehr als acht Millionen aus privaten Mitteln seien in seine Firmen geflossen und für ihn persönlich Schulden in Höhe von fast 80 Millionen Euro aufgelaufen. Da nahm er Gelder von Firmen-Konten. „Aber ich habe keine Boote, Autos oder Häuser gekauft“, warf er ein. Es sei vor allem darum gegangen, Löcher im verzweigten Unternehmen zu stopfen. Nur einen geringen Teil der laut Anklage „ungerechtfertigten Zahlungen“ habe er für „dringendste persönliche Bedürfnisse“ genutzt.

In den „schwierigen Zeiten“ hatte er auch von Klinikbetreiber Ulrich Marseille ein Darlehen in Höhe von zehn Millionen Euro erhalten – durch falsche Angaben und damit betrügerisch, stand später für die Ermittler fest. 2004 liefen Ermittlungen an, die zu einer Anklage wegen Betruges, Insolvenzverschleppung und Untreue führten. Im Dezember 2009 kam es zum ersten Prozess. Windhorst musste tief in die Tasche greifen, kam aber unbestraft davon: Gegen Zahlung einer Buße von einer Million Euro an die Justizkasse sowie 2,5 Millionen Euro an Marseille wurde das Betrugsverfahren eingestellt.

Die Untreue blieb als Rest. Aus Vorgesprächen der Juristen wusste Windhorst,  dass er bei einem Geständnis mit Bewährungs- und Geldstrafe zu rechnen war. Er legte der Vorsitzenden Richterin eine Gehaltsbescheinigung vor. Demnach bekommt er als Geschäftsführer einer Investmentfirma mit Sitz in London mehr als 10 000 Euro netto im Monat. Kaum war das Urteil gesprochen, griff er zum Handy. Windhorst ist wieder im Geschäft.

Der Beitrag erscheint in unserer Rubrik "Vor fünf Jahren"

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