Prozessauftakt am Landgericht : 103-jähriger ließ Trickdiebe abblitzen

Das Trio suchte sich gezielt ältere Menschen als Opfer aus. Zweimal waren sie mit ihrer Masche erfolgreich.

Kerstin Gehrke
Personalmangel in Berlin. Verbundene Augen sind bei Justitia erwünscht, gebundene Hände nicht.
Personalmangel in Berlin. Verbundene Augen sind bei Justitia erwünscht, gebundene Hände nicht.Foto: picture alliance / dpa

Erst bekam der 103 Jahre alte Mann einen Anruf von einem angeblichen Mitarbeiter der AOK mit der Aufforderung, wegen einer Unterschrift sofort nach Potsdam zu fahren. Zwölf Tage später klingelten zwei Fremde an der Tür des Lankwitzers. Doch der Hochbetagte ging wieder nicht in die Falle. Er war laut Anklage im Visier von skrupellosen Trickdieben. Die mutmaßliche Bande steht nun vor dem Landgericht.

 Vier Angeklagte müssen sich verantworten: ein 52-jähriger Friseur, eine 54-jährige Mutter mit ihrer 31-jährigen Tochter und ein 24-Jähriger. Sie sollen ab November 2016 auf Straßen gezielt nach Opfern Ausschau gehalten haben.

Die Angeklagten schweigen

Ein „Trick“ sei gewesen, ältere Passanten anzusprechen. So sei Jadwiga G., die ältere Angeklagte, auf Senioren zugegangen, habe sie umarmt, nach dem Befinden befragt und heimlich die Wohnungsschlüssel aus der Tasche gefischt. Die soll sie unbemerkt ihrer Tochter sowie Rocky D. zugesteckt haben. In andern Fällen hätten sie versucht, sich mit einer Legende Zugang zur Wohnung zu verschaffen. In zwei Fällen soll die mutmaßliche Bande Beute gemacht haben, bei einem 72-Jährigen rund 2000 Euro sowie Schmuck im Wert von 3000 Euro.

 Sechs Taten werden ihnen zur Last gelegt, vier Mal sei es aber bei einem Versuch geblieben. Vor Gericht wollen sich die mutmaßlichen Trickdiebe zunächst nicht äußern. Nachdem Verteidiger die Besetzung des Gerichts hinsichtlich einer Schöffin rügten, wurde der Prozess auf Montag vertagt.

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