Berlin : Prozessauftakt: "Jetzt machen wir einen Mord"

Katja Füchsel

Die Angeklagten waren einst Freunde, Komplizen, Bandenmitglieder. Nichts konnte die jungen Männer trennen, nun muss man sie im Gerichtssaal und im Gefängnis auch voreinander schützen. Denn Daniel, 21 Jahre alt, hat gestanden: die Autodiebstähle, die Überfalle - und den Mord. Kein Detail hat Daniel ausgelassen, nicht den Baseballschläger, das Messer oder den Benzinkanister. Nun sitzt er im Moabiter Kriminalgericht vor der Richterbank. Zusammengesunken, suizidgefährdet und blass. "Mein Mandant hat Angst, berechtigte Angst", sagt Daniels Verteidiger.

Ungewiss ist, ob Daniel diesen zarten Wesenszug erst in den vergangenen Monaten an sich entdeckt hat. Jedenfalls klingt das, was der 21-Jährige bereits auf dem Kerbholz haben will, eher nach einem ganz harten Kerl, dem Mitglied einer eiskalten Bande. Die Gang fuhr laut Anklage in der Regel mit einem gestohlenen Escort durch die Stadt. Halt machte man danach zuweilen an einem Supermarkt, wie beispielsweise am 9. November 1999. Da sollen die Männer eine Schlecker-Filiale in Friedrichshain überfallen, der Kassiererin Reizgas in Gesicht gesprüht haben und mit 460 Mark Beute entkommen sein. Ein bewaffneter Überfall acht Tage später brachte den jungen Räubern laut Anklage 1560 Mark ein.

Damals gehörte noch Dennis M. zum harten Kern der Gruppe. Doch ein paar Tage später muss der 22-Jährige den Zorn seiner Freunde auf sich gezogen haben. "Weil er gegenüber Dritten über Autodiebstähle und Raubüberfälle geredet hat", sagt der Staatsanwalt. Zudem sei Daniel sauer gewesen, weil Dennis es auf seine Freundin abgesehen habe. Dass er, wie der Ankläger sagt, versuchte, "Nancy für sich zu gewinnen".

Die Rache endete dann laut Anklage am 24. November tödlich: Die drei Angeklagten sperrten Dennis M. in den Kofferraum des gestohlenen Wagen und fuhren zu einer Müllkippe in Pankow. "Jetzt machen wir einen Mord", soll Michel, 21 Jahre alt, angekündigt haben. Die ersten Schläge mit dem Baseballschläger trafen das Opfer am Kopf. Dann ging es nach den Worten des Staatsanwalts schnell: "Sie durchschnitten den Hals des Geschädigten, stachen ihm in die Brust und übergossen ihn mit Benzin." Nachdem sie den leblosen Körper angezündet hatten, flüchteten die drei zunächst unerkannt.

Ein Spaziergänger fand die Leiche am 5. Januar, nur wenige Tage später schlossen sich hinter den jungen Männern die Gefängsnistore. Nun sind laut Verteidiger nicht nur Michel und Thomas hinter seinem Mandanten her. Auch die Freunde des toten Dennis haben in der Haftanstalt Rache geschworen. Der 22-Jährige verbüßte hier seit 1998 eine Gefängnisstrafe wegen Raubes. Am 5. November war er nach einem Tagesausflug nicht zurückgekehrt.

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