• Prozessbeginn am Berliner Landgericht: Angeklagter hatte "keinen Grund" für Schüsse auf Nachbarskinder

Prozessbeginn am Berliner Landgericht : Angeklagter hatte "keinen Grund" für Schüsse auf Nachbarskinder

Ein Familienvater hat im März 2015 im Rausch aus dem Fenster geschossen - ein Neunjähriger wurde schwer verletzt. Erklären kann der Angeklagte die Tat nicht.

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Personifikation der Gerechtigkeit: Justitia
Personifikation der Gerechtigkeit: JustitiaFoto: picture alliance / dpa

Der Junge spielte mit anderen Kindern auf der Straße, als gegen 19.20 Uhr ein lauter Knall die Gruppe zusammenschrecken ließ. Die Kinder dachten an einen Böller. Plötzlich aber sackte Elisei zusammen. Als der damals Neunjährige Blut an seinem Bauch entdeckte, lief er zu seiner Mutter. Es war ein Geschoss aus einem Federdruckgewehr, das Elisei schwer verletzt hatte. Der Schütze war ein Mann aus der Nachbarschaft. Wegen versuchten Totschlags steht Dariusz B. nun vor dem Landgericht. Er gestand.

Der Angeklagte hatte mit Bekannten gefeiert

Ein Mann vom Bau, verheiratet, drei Kinder, eine Wohnung in Friedrichshain. Warum er am 19. März 2015 die Waffe in die Hand nahm, könne er einfach nicht erklären, sagte der 49-Jährige. "Ich kam früher von der Arbeit an dem Tag, es gab eine Art Empfang in unserer Wohnung." Mit Bekannten habe er viel getrunken. Er sei benebelt gewesen. "Ich habe es gemacht, aber ohne Grund, die Kinder haben mich nicht gestört."

Elisei, ein Junge aus demselben Haus in der Straße der Pariser Kommune. Die aus Rumänen stammende Familie war erst kurz zuvor eingezogen. Darius B., ein Pole, kannte die neuen Mieter vom Sehen. Sie hätten ihn nicht gestört, versicherte der Angeklagte. Aber Nachbarn hatten sich kurz vor dem Schuss über Lärm aus der Wohnung von B. beschwert. Zielte er auf die spielenden und wohl nicht ganz leisen Kinder, weil er zuvor gemaßregelt wurde? Wieder wehrte der Angeklagte ab. "Wir haben die Musik eben leiser gestellt, dann war alles gut."

Der Nachbarsjunge wurde in den Bauch getroffen

Das Federdruckgewehr hatte B. einige Monate zuvor aus Polen mitgebracht. Ein Kumpel gab nach dem Vorfall zu Protokoll, B. habe "plötzlich und ohne Grund das Gewehr genommen, durchgeladen und nach draußen gezielt." Das Diabolo-Geschoss verfehlte knapp den Kopf eines Zwölfjährigen und traf Elisei in den Bauchbereich. Die Kugel durchschlug die Jacke, drang vier bis fünf Zentimeter in den Körper ein, verletzte den Darm. Der Junge musste notoperiert werden.

Spielkameraden führten Ermittler zum Schützen

Die anderen Kinder hatten gesehen, dass der Schuss aus einer Wohnung im zweiten Stock abgegeben worden war. Dort traf die Polizei sieben Personen an. B. versuchte sich zunächst mit einem Unfall rauszureden: Er sei mit dem Gewehr in der Gardine hängen geblieben, ein Schuss habe sich gelöst. Zunächst kam er wieder frei. Bei Erhebung der Anklage wurde er im November verhaftet. Der Prozess geht am Mittwoch weiter.

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