Berlin : Prozessbeginn - Sportarzt Willi Heepe gegen Arnold Schwarzenegger

Katja Füchsel

Wer meint, "Info-Radio" sei ein eher unbedeutender Lokalsender, irrt. Die Anwälte von Hollywood-Star Arnold Schwarzenegger jedenfalls gehen davon aus, dass die kleine Station vergangenes Jahr so große Wirkung entfaltet hat, dass die Folgen noch in den Vereinigten Staaten zu spüren waren. "Mit dieser Begründung wollten sie den Prozess nach Amerika ziehen", sagt Willi Heepe. Für den Vater von sechs Kindern hätte es ein teurer Spaß werden können, denn in den Staaten verlaufen die Zivil-Prozesse bekanntlich nach etwas anderen Spielregeln. "50 Millionen Mark Schmerzensgeld wollten die Anwälte fordern."

Seitdem die Amerika-Pläne gescheitert sind, geben sich die Vertreter Schwarzeneggers bescheidener: 50 000 Mark verlangen sie nun von dem Berliner Arzt, weil er in einem Rundfunk-Interwiew den Hollywood-Star übelst beleidigt haben soll. Am heutigen Dienstag beginnt im Berliner Landgericht der Prozess. Und? Aufgeregt? "Ich sehe das eher gelassen", sagt Willi Heepe. Er halte es für "völligen Blödsinn", dass ein schauspielender Millionär aus Amerika nach einer freien Meinungsäußerung solche Geschütze auffahre. "Ich bin doch nur ein kleiner Scheißer aus Berlin."

Doch der Herzarzt und Marathon-Experte muss Schwarzenegger an einer ganz schwachen Stelle getroffen haben, als er in dem Rundfunkinterview seine Sorge über den vermuteten Gesundheitszustand des 52-Jährigen äußerte. Heepe hatte erklärt, dass falscher Muskelaufbau schwere gesundheitliche Folgen haben könne. Als die Rede auf Schwarzenegger kam, wurde der Mediziner salopp. "Ich hab gesagt, dass es mich nicht wundern würde, wenn er früher oder später vom Hocker fallen würde."

Zwar hatten weder Schwarzenegger noch seine Anwälte vor einem Radiogerät gesessen, als Heepe seine Thesen zum Besten gab. Doch die Nachrichtenagenturen verbreiteten die Zitate flächendeckend. Ein paar Wochen später lag dann die Post der Anwälte im Briefkasten. "Die Hochglanzbriefe haben meine Frau sehr beeindruckt." Eine gewisse Wirkung muss sie auch auf den Mediziner gehabt haben, denn er schickte Schwarzenegger ein Entschuldigungsschreiben. Allerdings nicht ohne ein, zwei Sätze zu seinen Motiven anzufügen. Heepe: "Ich will Jugendliche davor warnen, sich solche Kraftidole zum Vorbild zu nehmen."

Schwarzenegger war die Entschuldigung des Berliner Arztes, der nach jedem vorzeitigen Ende eines Sportlers gerne als Experte zur Verfügung steht, nicht genug. "Er verlangt eine schriftliche Erklärung, dass der Beschuldigte ihn nie untersucht habe und sich deshalb auch kein Urteil erlauben könne", sagt eine Justizsprecherin. Heepe bleibt dabei: "Das war kein Urteil, sondern eine reine Vermutung."

In seiner Praxis - Heepe betreibt im alten Klinikum Westend ein Rehabilitationszentrum für Herzinfarkt-Patienten - wird der Beklagte dann noch etwas deutlicher. Es sehe schließlich jeder, dass Schwarzenegger sich nicht vom Bonbon-Essen zum Muskelmann wandelte. Und: "Früher wurden solche Leute im Zirkus ausgestellt." Aber eigentlich, sagt Heepe, möchte er gar nicht streiten. Am liebsten sei es ihm, wenn Schwarzenegger sich in ein Flugzeug nach Berlin setzen würde, um die Sache bei einem Glas Bier aus der Welt zu schaffen. "Er könnte sich an einem Kinderprojekt beteiligen." In seinem Rehabilitationszentrum sei Schwarzenegger jedenfalls für eine Versöhnung immer herzlich willkommen.

In der Familie hat der Prozess zu keinen Eruptionen geführt. Vielleicht auch, weil keines seiner Kinder eingefleischter Schwarzenegger-Fan ist. Im Gegenteil: "Meine 13-jährige Tochter findet den Fleischberg ziemlich unappetitlich."

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