Prüfungen : Die neuen Matheaufgaben gehen in Druck

Der Senat lässt sich nicht umstimmen: Trotz der Proteste von tausenden Schülern sollen die Mathe-Prüfungen für den Mittleren Schulabschluss neu geschrieben werden. Die Jungen und Mädchen wollen sich aber noch nicht geschlagen geben.

Susanne Vieth-Entus,Stephanie Walter
Mathedemo
Die Schüler sind sauer: Der Senat lässt nachschreiben - trotz Protest. -Foto: ddp

Berlin"Die Ehrlichen sollen die Dummen sein", "Euer Fehler ist nicht unsere Schuld" und "Wer hat versagt? Der Senat. Wer wird bestraft? Wir!!!" Mit Plakaten wie diesen demonstrierten gestern rund 3000 Schüler vor dem Roten Rathaus und der Bildungsverwaltung gegen die Wiederholung der Mathematik-Arbeit für den Mittleren Schulabschluss (MSA). Wie berichtet, waren die Aufgaben bereits im Vorfeld vielen Schülern bekannt. Wie das passieren konnte, ist weiter unklar. Die neuen Aufgaben werden jetzt für alle 28.000 Schüler gedruckt und am 23. Juni morgens per Kurier verteilt.

Simone Schön von der Gustav-Heinemann-Schule in Marienfelde hatte erst aus dem Fernsehen erfahren, dass die Aufgaben vorher kursierten. "Unser Protest wird wohl nichts bringen, aber es geht ums Prinzip", sagt sie. Auch Laura Plößel vom Humboldt-Gymnasium in Tegel hält es für wichtig, dass die Schüler ihren Protest zeigen. Es sei ungerecht, dass alle nachschreiben sollen, denn auf ihrer Schule habe keiner die Aufgaben gekannt.

Ein Schüler der Oskar-Schindler- Schule in Hohenschönhausen sagt, er habe die Aufgaben am Tag vor der Prüfung von einer Freundin per MSN bekommen. "Aber ich war mir nicht sicher, ob die Aufgaben wirklich echt waren. Am nächsten Tag habe ich mich geärgert, dass ich sie nicht auswendig gelernt habe." Auch er findet die erneute Prüfung ungerecht. "Viele haben so hart dafür gelernt.“ Aber er kann dem Ganzen auch etwas Positives abgewinnen. "Vielleicht könnte ich mich ja verbessern.“

"Ich wollte damit nichts zu tun haben"

An der Wilmersdorfer Robert-Jungk- Schule hätten einige "aus der Nachbarklasse" die Aufgaben vorher gehabt, behauptet Mirko, der die Wiederholung nicht gut findet. An seiner Schule hätten die Lehrer Verständnis für den Protest.

Eine Schülerin des Hellersdorfer Oberstufenzentrums Gesundheit II berichtet, eine Freundin habe die Aufgaben gehabt. "Aber ich wollte damit nichts zu tun haben.“ Dass sie die Prüfung nun wiederholen soll, findet sie doppelt ungerecht.

Einen eigenen Vorschlag haben Lena und Vera von der Georg-Friedrich-Händel-Schule aus Friedrichshain: "Es wäre gerecht, wenn es die Möglichkeit gäbe, freiwillig nachzuschreiben und alle anderen ihre Zeugnisnote bekämen“. Diese Variante findet auch Bildungspolitiker Sascha Steuer (CDU) gut. "Es kann nicht sein, dass die Pleiten-, Pech- und Pannenserie in endlosen Auseinandersetzungen mündet, in denen die Schüler die Leidtragenden sind“, findet Steuer.

Mit Sprechchören und Trillerpfeifen machten die Schüler, die sich zum Teil über das "SchülerVZ“ vernetzt hatten, ihrem Ärger Luft. Die Organisatoren der Demonstration übergaben im Anschluss Unterschriftenlisten an Landesschulrat Hans-Jürgen Pokall. Hauptorganisator Kay-Dennis Cholewinski zeigte sich enttäuscht, dass nicht der Senator selbst vor den Demonstranten erschien.

Neuer Protest geplant

Am Nachmittag war dann klar, dass der Protest nichts gebracht hat. "Die Schulverwaltung hat uns mitgeteilt, dass sie nicht von der Wiederholung abrückt", sagte der Vorsitzende des Landesschülerausschusses Max Wolter. Deshalb wollen die Schüler nochmal protestieren: Donnerstagmittag vorm Abgeordnetenhaus. Außerdem hoffen sie auf den Landeselternausschuss, der gegen die Wiederholung der Klausur klagen will.

Schulsenator Jürgen Zöllner teilte mit, dass nach jetzigem Kenntnisstand an 75 Schulen gemogelt wurde. Ob auch in anderen Fächern ähnliche Pannen passiert sind, darüber gehen die Berichte auseinander. Falls auch die neuen Mathematikaufgaben durchsickern, gibt es bereits Ersatz: Die für diesen Fall bereits vorbereiteten Aufgaben werden dann allerdings nicht gedruckt, sondern am 23. Juni morgens im Internet frei geschaltet. Dann müssen die Schulen schnell an die Kopiergeräte.

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