Berlin : Prüfungsfrage an Böger

Der Schulsenator hat Probleme mit dem Mittleren Bildungsabschluss. Die Umsetzung ist noch unklar

Susanne Vieth-Entus

Mit schwerem Gepäck ist Sport- und Bildungssenator Klaus Böger (SPD) gestern nach Athen gefahren. Ein Kraftakt steht an: Während seines Aufenthalts in der Olympiastadt muss er entscheiden, wie er den geplanten Mittleren Bildungsabschluss praktisch umsetzen will. Noch immer ist unklar, welches Gewicht die neuen Abschlussprüfungen haben sollen. Die ungelöste Frage blockiert zurzeit das große Reformpaket für die Mittelstufen.

Spätestens zu Schuljahresbeginn hatten die Schulen erwartet, dass sie die neue Verordnung auf dem Tisch haben würden. Und tatsächlich sind laut aktuellem Entwurf viele Fragen längst geklärt:

Die Schulen können ein Viertel ihrer Stundenpläne individuell je nach Profil gestalten. Das bedeutet etwa, dass sie statt zwei nur eine Stunde Kunst und dafür mehr Mathematik anbieten.

Die Zahl der vorgeschriebenen Klassenarbeiten wird reduziert. Bisher sind je nach Klassenstufe sechs bis acht pro Jahr vorgeschrieben, jetzt generell nur noch sechs. Dafür dauern sie länger: In den höheren Klassen ist eine Mindestdauer von 90 Minuten für Deutsch und die erste Fremdsprache vorgesehen. Bisher galten in allen Fächern 45 Minuten als ausreichend.

Diktate sind nicht mehr Pflicht. Stattdessen soll in allen Fächern bei den Klassenarbeiten stärker auf sprachliche Richtigkeit geachtet werden. Bei groben Mängeln muss die Zensur nach unten korrigiert werden.

Das Bestehen des Probehalbjahres auf dem Gymnasium und in der Realschule soll – gegen den Willen der PDS – erschwert werden. Wer zwei Fünfen oder eine Sechs in einem Hauptfach hat, muss die Schule verlassen. Eine Fünf im Kernfach und eine im Nebenfach wird nur akzeptiert, wenn man in einem anderen Hauptfach eine Zwei hat. Bisher konnte man auch drei Fünfen mit einer guten Note ausgleichen.

Im Versetzungszeugnis muss jetzt die Leistung des gesamten Schuljahres einfließen. Bisher wurden nur die Noten aus dem zweiten Halbjahr gewertet.

In der Hauptschule wird das Sitzenbleiben nahezu abgeschafft. Um schwache Schüler besser mitziehen zu können, kommen sie in Klassen mit einem höheren Praxisanteil.

Während all diese Neuerungen relativ unwidersprochen die Gremien passiert haben, hakt es nun am Mittleren Bildungsabschluss. Er sollte eigentlich die Krönung der ganzen Verordnung sein. Denn als Konsequenz aus Pisa wollte man sicherstellen, dass alle Zehntklässler bestimmte Mindeststandards erfüllen.

Von Anfang an war umstritten, dass die Hauptschüler die gleichen Prüfungsaufgaben bekommen wie die Gymnasiasten. Denn da die Aufgaben auf Realschulniveau liegen sollen, ist klar, dass viele Hauptschüler scheitern und die Gymnasiasten zu leichtes Spiel haben. Damit würden die Noten der zentralen Prüfung stark von den sonstigen Noten der Schüler abweichen. Wenn man, wie geplant, beide Komponenten zu einer Gesamtnote zusammenzieht, ergäbe sich möglicherweise ein „schiefes Bild“ von der eigentlichen Schülerleistung. Deshalb fordern Oberstudiendirektoren und Landeselternausschuss, dass beide Noten nebeneinander stehen bleiben.

Böger muss schnell entscheiden, damit die Verordnung in Kraft treten kann. Viele Schulleiter halten es juristisch für unhaltbar, dass die Verschärfung des Probehalbjahres rückwirkend für dieses Jahr gelten soll.

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