Berlin : Prügel-Opfer bleibt ein Pflegefall

Berlin - In eine Decke gehüllt saß Issa T. im Rollstuhl. Freunde schoben den 38-Jährigen in den Gerichtssaal. Eine lange Narbe zieht sich über seinen Hinterkopf. Er war am 9. Juni 2007 auf dem U-Bahnhof Hermannplatz derart schwer verletzt worden, dass er seitdem ein Pflegefall ist. Zwei Männer, der 37-jährige Yasar G. und der 39-jährige Metin D., sollen dafür verantwortlich sein. Seit Freitag sitzen sie vor Gericht.

Die Anklage geht von einem Streit aus. Einer trat dem anderen wohl auf den Fuß. Als der Mann aus Burkina Faso im Türbereich stand, sei er von G. aus dem Wagen gezerrt worden. Daraufhin habe auch der zweite Türke auf den Mann eingeschlagen. Als er fliehen wollte, hätten sie ihn verfolgt. G. soll ihm heftig in den Rücken getreten haben. Ein Zeuge sprach von einem „Karatesprung“. Issa T., Vater einer kleinen Tochter, erlitt schwerste Kopfverletzungen. „Er ist für den Rest seines Lebens schwerstbehindert“, sagte seine Anwältin. Er ist gelähmt, leidet an epileptischen Anfällen, lebt in einem Pflegeheim und bekommt eine kleine Rente. Seine Anwältin beantragte nun ein Schmerzensgeld von mindestens 250 000 Euro.

Die beiden Angeklagten hüllten sich im Prozess um schwere Körperverletzung in Schweigen. In früheren Aussagen hatten sie die Vorwürfe bestritten. Nach ihrer Version soll der Afrikaner den Streit begonnen haben. Als er auf Yasar G., der ihn am Fuß berührt hatte, einschlagen wollte, habe er das Gleichgewicht verloren und sei gestürzt. Metin D. behauptete in einem ersten Prozessanlauf im Jahr 2008, er habe nur schlichten wollen. Die Opfer-Anwältin dagegen sagte, Issa T. sei über den U-Bahnhof gejagt worden. Ein Video belege das. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. K.G.

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