Berlin : Prügel unter Freunden

Berlins WASG schimpfte bei ihrem konstituierenden Parteitag auf die PDS. Deren Landeschef sei ein „Idiot“, die Mitglieder „drittklassige Figuren“

Sabine Beikler

Das Bündnis zwischen PDS und Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) ist noch gar nicht richtig geschmiedet, da gibt es schon Krach zwischen den beiden linken Partnern in spe. Während die Berliner PDS am Sonnabend bei ihrem Wahlkampfauftakt im Energieforum am Ostbahnhof für Gespräche mit der WASG plädiert, prügelt zeitgleich WASG-Bundesvorstandsmitglied Joachim Bischoff auf den Berliner PDS-Landeschef Stefan Liebich ein. Politische Auseinandersetzungen müssten mit der Gesellschaft geführt werden und nicht mit „drittklassigen Figuren“ wie den PDS-Politikern Helmut Holter, Sahra Wagenknecht oder Liebich, sagt Bischoff auf dem konstituierenden WASG-Parteitag im Lichtenberger „Hostel am Tierpark“. Bischoff, Ex-PDS-Mitglied und vier Jahre im Bundesvorstand, setzt noch eins drauf: „Dieser Idiot Liebich.“ Nicht alle der 200 anwesenden WASG-Mitglieder applaudieren.

Liebich, der an diesem Tag mehrfach Zielscheibe für Fundamentalkritik am „neoliberalen Kurs“ der rot-roten Landespolitik ist, nimmt die Beschimpfung außerordentlich gelassen hin. „Hat er das gesagt? Das ist kein Beweis für den Willen einer ernsthaften Kooperation mit der PDS“, sagt Liebich dem Tagesspiegel. Auf solch „persönliche Scharmützel“ könne er gern verzichten. „Die WASG muss über ihren Schatten springen“, sagt der PDS-Politiker, der nie ein Hehl daraus gemacht hat, dass er mit der WASG seine Probleme hat.

Das ist die Berliner WASG: 400 Mitglieder, davon rund 20 Prozent ehemalige PDS-ler, der Rest politisch Interessierte und viele Quereinsteiger, die unzufrieden sind mit Sozialabbau oder Hartz IV und „jetzt etwas dagegen tun müssen“, wie Johannes Schmidt vom Bezirksverband Steglitz-Zehlendorf sagt. Oder Mitglieder wie Dieter Bernhardt aus Tempelhof-Schöneberg, der die „Abzocke der Kranken und Schwachen“, den neoliberalen Zeitgeist kritisiert und hofft, dass die PDS aus der Koalition herausgeht. Es verläuft eine kontroverse Diskussion über die Zusammenarbeit mit der PDS. Die WASG-Mitglieder stimmen mit knapper Mehrheit für ein Zusammengehen mit der PDS im Bundestagswahlkampf. Eine eigenständige Kandidatur für die Abgeordnetenhauswahlen 2006 hält sich die WASG offen.

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