Berlin : Prügeln, rauben, durchdrehen

Was die Polizei in einer Nacht in Berlin erlebt.

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Mit Polizeimail „#2992“ fing alles an an diesem Freitag, der so nass und kalt und dunkel war und der einfach nicht freundlicher werden sollte. Zu abenteuerlich waren die Nachrichten, die da immer und immer wieder aus dem Polizeipräsidium zu hören waren. Ein Überblick:

Die erste Nachricht des Tages, Nummer „#2992“, kommt aus Spandau, Gatower Straße, nahe Heerstraße: „Postagentur überfallen“. Ein Vermummter stürmt kurz vor 18 Uhr in den Laden, prügelt mit einer Pistole auf die Frau ein, bis der Kopf blutet, und lässt sich Geld und Briefmarken geben. Dann fesselt er die Frau. Sie kann sich später befreien und die Polizei alarmieren. Sie muss ins Krankenhaus.

Zeitgleich rauben „feige Halbstarke“, wie die Polizei es später wütend formulieren wird, einen stark gehbehinderten Mann am Bahnhof Zoo aus. Die Jugendlichen sehen den 49-Jährigen, der sich nicht wehren kann, im schmalen Lotte-Lenya-Bogen – also dem Weg zwischen der S-Bahntrasse und dem Kant-Dreieck – , stoppen ihn, fixieren ihn am Boden und rauben ihm das Geld aus der Hose. Zeugen sehen sie noch davonrennen. Der Behinderte bleibt unverletzt.

In Halensee kommt eine 68-jährige Frau gerade nach Hause. Sie parkt ihr Cabriolet, Marke Peugeot, um 21.45 Uhr am Kronprinzendamm, als plötzlich ein Mann hinter ihr steht. Er drückt ihr die Hand fest vor den Mund, sie kann nicht schreien, der Mann entreißt ihr den Autoschlüssel, springt in den Wagen – und rast mit einem Komplizen davon.

Wildwest auf der Stadtautobahn, wieder in Halensee. Es ist 22.30 Uhr, mitten auf der A 100, kurz vor der Ausfahrt zum Kurfürstendamm. Eigentlich sollen sich hier die Autos einfädeln, Reißverschlussprinzip – eigentlich ganz einfach. Doch es kommt zum Ärger: Ein 33-Jähriger will wegen einer Baustelle mit seinem Transporter von der linken auf die rechte Fahrspur, doch da ist ist gerade ein 24-Jähriger in seinem BMW unterwegs. Er will ihn nicht reinlassen. Der Transporter-Fahrer, der es dann doch noch in die Lücke schafft, ist wütend und bremst den BMW aus. Der Beifahrer springt aus dem Wagen, der BWM-Fahrer zückt seinen Teleskopstock, den er offenbar für solche Fälle dabei hat, und dann prügeln beide mitten auf der A 100 aufeinander ein. Ein Polizist, der dahinter im Stau steckt, mischte sich ein. Der BMW-Fahrer will flüchten und schlägt dem Polizisten mehrfach die Autotür gegen den Körper. Am Ende ist Verstärkung da. Die Männer erhalten Anzeigen, sie fahren ins Krankenhaus. Der Stau löst sich wieder auf.

Die Berliner Polizei wird um Amtshilfe gebeten – und eilt schon wieder nach Halensee. Die Brandenburger Steuerbehörde muss in eine Wohnung in Ku’damm-Seitenlage, Bornstedter Straße. Im Innern entdecken die Fahnder und die Polizisten ein Waffenarsenal: „Vier Pistolen, drei Handgranaten, eine Maschinenpistole, 1000 Patronen … “. Sieben weitere Waffen werden noch darauf geprüft, ob es nur Attrappen sind. Als die Polizisten in der Wohnung sind, erscheint ein 23-Jähriger. Er soll der Untermieter sein. Er wird festgenommen. Woher die Waffen stammen? Unklar.

Kurz nach Mitternacht, Gesundbrunnen. Eine 17-Jährige steigt aus der S-Bahn an der Bornholmer Straße. Sie läuft durch die Dunkelheit, da treten und prügeln plötzlich zwei Männer auf sie ein. Sie flüchten mit ihrem Smartphone und dem Portemonnaie. Als die Frau hinterherrennen will, tritt ihr ein Mann in den Bauch. Ein Passant ruft die Polizei.

Ein lauter Knall in der Nacht weckt die Anwohner am Bahnhof Jungfernheide. Gegen 3.20 Uhr wird die Polizei alarmiert, weil der Geldautomat in die Luft gejagt wurde – übrigens nicht zum ersten Mal an diesem S- und U-Bahnhof. Im Januar hatten Unbekannte den Automaten im Bahnhofserdgeschoss einfach mit einem Auto aus der Verankerung gerammt und waren dann mit der Geldkassette geflüchtet. Diesmal gehen die Täter leer aus.

Zurück nach Spandau, Ortsteil Staaken. Es ist 5.45 Uhr und noch dunkel, da kommt es zu einem schweren Unfall auf der vierspurigen Heerstraße auf Höhe des Hahnebergs. Aus ungeklärter Ursache stoßen zwei Autos und ein Motorradfahrer auf der geraden Straße zusammen. Die Heerstraße, auf der zehntausende Menschen täglich rein nach Berlin fahren, wird fünf Stunden gesperrt; die Spezialisten der Polizei rücken an, der Verkehr bricht zusammen. Der Motorradfahrer wird lebensgefährlich verletzt.

Im Polizeipräsidium endet die Nachtschicht. André Görke

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