Berlin : Puccini 2004

„La Bohème“ wird in Projekten von Berliner Schülern aufgefrischt

Hanna Engelmeier

Die Bühne ist hell erleuchtet. Etwa 20 Jugendliche stehen dicht gedrängt beieinander, berühren sich unmerklich, manche halten sich aneinander fest. Colline und drei seiner Gefährten lösen sich aus der Gruppe: Szenen aus einer Textcollage zu Giacomo Puccinis Oper „La Bohème“ des Kursus Darstellendes Spiel der Kurt-Tucholsky-Oberschule aus Pankow. Die Schüler des Kurses beschäftigten sich mit den inneren Konflikten der Liebenden und stellten die in der Textcollage verarbeiteten Ergebnisse am Freitag im Malsaal der Komischen Oper vor.

Mit Schülern von neun anderen Schulen haben sie an dem Berlin-Bohème-Projekt teilgenommen, das von den drei großen Berliner Opernhäusern und dem Projekt „Tusch“ (Theater und Schule) betreut wurde. „Mit knapp 200 Schülern wurde intensiv gearbeitet – dabei ist die eine oder andere Opern-Hemmschwelle gefallen “, sagt Malte Krasting, Konzertdramaturg bei der Komischen Oper.

Die Schüler haben sich die Oper angeeignet: die theatralische Sprache der Pariser Liebenden Mimi und Rodolfo wird von der Jahrhundertwende in den Alltag von 16- bis 17-Jährigen gebracht. Sie entstauben die Dialoge, wenn Rosetta, Mimis Rivalin, Rodolfo als „alten Idioten“ tituliert und fordert: „Wenn du mich wirklich liebst, dann kaufst du mir diese Schuhe.“

Als Bänke und Stühle aus dem Saal fortgeräumt sind, kommt für viele der Höhepunkt des Abends. Eine Party mit DJ Ghostface. Der hat allerdings Rap-Platten und nicht Musettes Walzer mitgebracht. Dazu wird schon nach kurzer Zeit getanzt, dass der Boden des Malsaals dröhnt. Doch nicht allzu lange: Schließlich wollen die Schüler noch andernorts weiterfeiern. Ohne Aufsicht, wie ein Schüler verrät.

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