Berlin : Puccini statt Pizza

Am Donnerstag tritt das Orchester der Scala in der Komischen Oper auf

Elisabeth Binder

Pizza, Pasta, Armani und Valentino sind schon da, doch das reicht Italiens Botschafter Antonio Puri Purini nicht. Purini, ein hoch kultivierter Mann mit weißen Haaren, braun gebranntem Gesicht und tiefer Liebe zu Literatur, Malerei und Musik, möchte „noch mehr Italien nach Berlin bringen“. Als schönen Erfolg auf diesem Weg betrachtet er den ersten Auftritt des Orchesters der Mailänder Scala an diesem Donnerstag in der Komischen Oper (Kartentel. 826 4727). Das Konzert geht auf seine Initiative zurück, steht unter der Schirmherrschaft des italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano und wird von der Unicredit Group veranstaltet.

Kultur hat für Purini eine wesentliche Aufgabe: Besinnung aufs gemeinsame europäische Erbe. „Wenn man aus Asien oder Amerika auf Europa schaut, sieht man die Einheit. Von innen sieht man die Vielfalt.“ Die Kultur ist für den Diplomatensohn der Schlüssel eines gemeinsamen Engagements, einer gemeinsamen Identität, die auf dieser Vielfalt gründet. Gerade Berlin spielt aus seiner Sicht für die Italiener eine wichtige Rolle, ist für sie „die Stadt der Freiheit Europas“. Deshalb will er noch mehr Italiener nach Berlin bringen, die italienische Kunst in hiesigen Museen stärker ins Bewusstsein rücken. Eine wichtige gemeinsame Aufgabe für Deutsche und Italiener sieht er darin, den Rückzug der klassischen Musik aus dem öffentlichen und gesellschaftlichen Leben zu stoppen. „Die Scala ist für jeden Mailänder etwas sehr Persönliches.“ Aber natürlich gibt es mehr Opern in Italien. Dies soll ein Anfang sein. Auch in seinem Umfeld hat der Botschafter begonnen, die Schönheit italienischer Kultur stärker zu propagieren. „Diese Botschaft ist vielleicht der einzige italienische Palast außerhalb Italiens. Das gibt mir ein Gefühl besonderer Verantwortung“, sagt er im Arbeitszimmer des altrosafarbenen Gebäudes an der Tiergartenstraße. Deshalb hat er sich mit Leidenschaft der Innenausstattung gewidmet, ließ aus römischen Museen Wandteppiche aus dem 17. Jahrhundert kommen, hat auch Kunstwerke aus späteren Jahrhunderten an den Wänden hängen und veranstaltet regelmäßige Vorträge zu kunsthistorischen Themen. Die Botschaft ist klar: Wer bei Italien gleich an Gucci oder Fettucine denkt, soll Botticelli und Puccini dabei bitte nicht aus Augen und Ohren verlieren.

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