Berlin : Punker und Trompeten

Die Berliner Band Mia und das „Junge Ensemble Berlin“ ziehen bei der Love Parade gemeinsam um die Siegessäule

Constance Frey

TECHNO VON FRÜH BIS FRÜH: DAS WOCHENENDE DER LOVE PARADE

Der Love Parade wird heute der Marsch geblasen. Vorneweg läuft ein richtiges Orchester, angeführt von der Electropunk-Gruppe Mia. Zur Abschlusskundgebung gegen 18 Uhr wollen die 23 Bläser und fünf Bandmitglieder drei Mal den Großen Stern umrunden und dabei den neuen Mia-Song „Es ist was es ist“ spielen (ab dem 22. September im Handel). Mia – das sind Bassist Robert Schütze alias Bob, 22 Jahre, die Gitarristen Andi Ross, 24, und Ingo Puls, 29, und Schlagzeuger Gunnar Spieß, „so alt wie Robert und Ingo zusammen“. Mietze, die Stimme der Band, ist 23 Jahre alt „Das ist meine Lieblingszahl!“ Wie sie wirklich heißt, sagt sie nicht mehr, seit verrückte Fans vor ihrer Haustür standen. Die Pankower Electropunker gehören seit dem vorigen Jahr zu den Vorreitern der „neuen Neuen Deutschen Welle“.

Die Idee zum Projekt mit der Blaskapelle hatte Andi. „Wir wollten zwei Dinge miteinander vereinen, die klassisch nichts miteinander zu tun haben.“ Handgemacht Musik sollte sich mit dem ektronischen Sound der Love Parade mischen. Sängerin Mietze traf im April die Bläsergruppe „Junges Ensemble Berlin“ und erzählte den Spielern vom Projekt. „Die haben dann ganz glänzende Augen gekriegt.“ Tobias Haußig, Leiter des Jungen Ensembles kann sich auch noch an die Begegnung daran erinnern. „Mietze war heilfroh, endlich ein Ensemble gefunden zu haben.“ Er selbst sei zunächst überrascht über den Vorschlag gewesen, aber dann „habe ich mich sofort auf den Auftritt gefreut.“

Für das Bläserensemble mit Laienspielern zwischen 15 und 35 Jahren ist die Aktion eine Premiere. Normalerweise geht sein Repertoire von Klassik über Film- und Unterhaltungsmusik bis hin zu Märschen. Auf der Love Parade spielt die Formation allerdings ausschließlich den Mia-Song „Es ist was es ist“, etwa vier Mal, schätzt Tobias Haußig.

„Die Aktion mit der Blaskapelle war von der Idee her schon wahnsinnig“, sagt Mia-Bassist Robert und lacht, aber die Umsetzung war dann noch um ein Vielfaches komplizierter. „Ein richtiger Koordinationsmarathon.“ Und was genau dann passiert, kann auch noch keiner sagen. „Das komplette Bild der Aktion wird sich auch für uns am Tag selbst erschließen“, meint Ingo. Denn eine Generalprobe ist nicht möglich. „Wir konnten leider keine Million Menschen auftreiben, und denen sagen: Marschiert mal hinter uns her!“ Mietze grinst. „Die Strecke musste genau besprochen werden“, erzählt Ingo. „Laufen und dabei spielen ist eine Herausforderung“, ergänzt Gunnar. Denn die 27 Musiker fahren nicht auf einem Sattelschlepper zum großen Stern, sondern legen den ganzen Weg zu Fuß zurück. Gespannt sind die Mia-Leute auf die Reaktion der Raver am Großen Stern. Werden sie Platz machen? „Die müssen dann zur Seite gehen, damit alles klappt“, sagt Gunnar. Die bunte Punk-Bläser-Trupper will sich aber nicht aus dem Geschehen herausstellen. „Die Party soll ganz normal weitergehen, aber mit einem gewissen Aha-Effekt.“

Um drei Uhr morgens spielt die Formation dann noch einmal auf der Party im Café Moskau an der Karl-Marx-Allee in Mitte. Allerdings werden ein paar Bläser nicht dabei sein, denn für alle 22 Spieler ist kein Platz auf der Bühne. Wenn bis dahin alle noch da sind, kein Raver über das Absperrseil um die Band gestolpert ist und niemand mangels Kondition kollabiert ist, wird erstmal gefeiert oder, meint Mietze, „im Kreis telefoniert“. „Man darf sich eben nicht durch den Wahnsinn einer Idee beschränken lassen“, lächelt Bob. „Vertrau uns!“

Das „Junge Ensemble“ spielt am 19. Juli um 18 Uhr in der Gethsemanekirche ein Programm von Klassik bis zu Filmmusik.

Mit ihrem Label R.O.T-respectortolerate tourt Mia diesen Sommer durchs Land: u. a. am 25. Juli in Warstein, am 31. Juli in Düsseldorf, am 1. August in Bad Windsheim, am 2. August in Trebur, am 3. August in Bochum.

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