Berlin : Putin-Kritikerin tot in der Spree gefunden

Die seit Karfreitag vermisste russische Künstlerin und Regimekritikerin Anna Mikhalchuk ist tot. Am Donnerstagmittag wurde ihre Leiche in der Mühlendammschleuse in Mitte gefunden. Wie die Polizei mitteilte, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um die 52-Jährige. Die Leiche soll schon längere Zeit im Wasser gelegen haben. Die Polizei geht von einem Selbstmord aus. Für eine Straftat oder einen Unfall gebe es keine Hinweise.

Das Verschwinden hatte Schlagzeilen gemacht, da Mikhalchuk in der Vergangenheit mehrfach Ärger mit dem russischen System hatte. Im Jahr 2003 war Mikhalchuk als Mitorganisatorin der Ausstellung „Achtung, Religion“ vor Gericht gestellt worden. Die Anklage warf ihr damals vor, „nationalen und religiösen Zwist“ zu schüren. Mikhalchuk wurde im März 2005 freigesprochen, jedoch in Russland immer wieder angefeindet und antisemitisch beschimpft. Freunde hatten wegen dieser Vorfälle auch eine politisch motivierte Straftat für möglich gehalten. Die Polizei betonte gestern jedoch erneut, dass die Motive des Verschwindens im persönlichen Bereich liegen dürften. Mit ihrem Mann, dem renommierten Philosophie-Professor Michail Ryklin, war sie im November 2007 nach Berlin gezogen und wohnte in Charlottenburg, nahe des Lietzensees an der Stadtautobahn. Michail Ryklin hat hier einen Lehrauftrag an der Humboldt-Universität.

Freunde berichteten, dass die 52-Jährige unter den Beschimpfungen in Russland sehr gelitten habe und sie deshalb Depressionen hatte. Am Nachmittag des 21. März hatte sich Mikhalchuk von ihrem Mann verabschiedet, um einkaufen zu gehen. Doch an diesem Tag – es war Karfreitag – hatten die Läden zu. Es wurde vermutet, sie habe einen russischen Supermarkt im S-Bahnhof Charlottenburg besuchen wollen. Deshalb wurde die Strecke dorthin abgesucht, Polizeitaucher hatten sogar den Grund des Lietzensees abgetastet. Vergeblich. Gestern nun wurde ihre Leiche gefunden. In der Spree. Ha

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