Berlin : Putzen nach Fahrplan

Im ICE-Werk Rummelsburg der Bahn bleibt nur wenig Zeit für die Wartung ihrer Züge

Klaus Kurpjuweit

Der Bahnhof Südkreuz soll nicht zur Endstation für ICE-Züge werden. Auch in Zukunft würden die ICE aus München und Basel weiter über die oberirdische Stadtbahn fahren, auf der sie ohne Halt den Bahnhof Zoo passieren, sagte gestern der Berliner Bahnchef Ingulf Leuschel. Vor der Eröffnung des Hauptbahnhofs im vergangenen Jahr hatte die Bahn erwogen, die bisher im Ostbahnhof startenden oder endenden ICE durch den Tunnel zum Südkreuz zu schicken. Eine dann erforderliche Behandlungsanlage würde aber eine Millioneninvestition erfordern.

Geld für die Wartung der Züge hat die Bahn jedoch bereits in das ICE-Werk in Rummelsburg gesteckt, das 1998 eröffnet und 2002 erweitert worden ist. Rund 400 ICE werden dort wöchentlich auf Vordermann gebracht.

Tagsüber bleibt den Mitarbeitern in der Regel nur wenig Zeit, um die Züge für die nächste Fahrt fit zu machen. In nur gut einer Stunde müssen die Toiletten entleert, frisches Wasser aufgefüllt, Vorräte im Bord-Restaurant ergänzt und der Müll aus den Zügen entfernt werden. Pro Zug kommt schnell mehr als eine Tonne Abfall zusammen. In Rummelsburg gibt es für diese Arbeiten besondere Gleise mit der erforderlichen Ausrüstung. In Südkreuz dagegen gäbe es nicht einmal genügend Platz, um alle Anlagen unterbringen zu können.

Und die Fahrt nach Rummelsburg über Gesundbrunnen und den östlichen Ring würde so lange dauern, dass für die Wartung der Züge kaum noch Zeit bliebe. Der Ostbahnhof ist dagegen nur fünf Kilometer vom Werk in Rummelsburg entfernt. Und die Bahn braucht bei der Wartung fast jede Minute. Die Vorgaben, die sich die Planer gesetzt haben, sind ehrgeizig. 41 der 44 ICE 2, die ihren Heimatbahnhof in Berlin haben, müssen ständig im Einsatz sein. Viel Zeit darf bei der Wartung deshalb nicht verloren gehen. Große Reparaturen werden daher in der Nacht ausgeführt. Gewartet werden können in Rummelsburg außerdem auch alle anderen ICE-Baureihen, selbst wenn die langen Züge nicht in die Halle passen.

Am Bahnhof Südkreuz wird aber trotzdem gebaut. Bis zum Jahresende soll dort auch der dritte Fernbahnsteig betriebsfähig sein. Zur Eröffnung des Bahnhofs Ende Mai 2006 waren nur zwei Fern- und Regionalbahnsteige eröffnet worden. Der dritte wird erst gebraucht, wenn die Dresdner Bahn durch Lichtenrade fertig ist und hier eines Tages der Airport-Express zum neuen BBI-Flughafen in Schönefeld fahren wird.

Die zweimalige Sperrung des Hauptbahnhofs nach dem Absturz eines Trägers beim Sturm Kyrill und anschließend wegen einer weiteren Sturmwarnung habe aber gezeigt, dass man den dritten Bahnsteig brauche, um in Südkreuz Züge enden und starten lassen zu können, die normalerweise durch den Tunnel fahren, sagte Leuschel.

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