Berlin : Puzzeln für St. Marien

Die Kirche verkauft Mosaiksteine und will Kunstsammlung retten

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Welche Gemeinsamkeiten haben Sandra Maischberger, Alfred Biolek und SenatskanzleiChef André Schmitz? Sie gehen am Donnerstag um elf in die Marienkirche und starten dort eine Aktion zur Rettung der 500 Jahre alten Kunstsammlung des Gotteshauses am Alexanderplatz.

Dafür hat sich der Förderverein Marienkirche das Spendenprojekt Totentanz-Mosaik ausgedacht: Auf eine sechs Meter lange Glasfläche sind die Konturen des berühmten Totentanz-Freskos aufgetragen. Dieses unfertige „Bild“, das direkt unter der Orgelempore steht, soll nun von vielen Menschen als Mosaik vervollständigt werden. Dafür liegen 75000 bunte Mosaiksteinchen bereit. Ein Mosaikstein kostet 2,50 Euro. Das 23 Meter lange Original aus dem Jahr 1490 kann man in der nördlichen Turmhalle unter Glas bewundern.

Damit die Farbe der Vorlage so getreu wie möglich von den Besuchern auf das Mosaik übertragen wird, werden die Farbfelder mit Zahlen gekennzeichnet. Der Spender nimmt aus 39 nummerierten Kästchen „seinen“ Mosaikstein und klebt es auf die entsprechende Farbfläche. So entfaltet sich allmählich eine neue Fassung des Totentanzes. Umso mehr Teile dieses Totentanz-Puzzles erworben werden, desto eher ist das Bild vollendet – und klingeln 187500 Euro in der Kasse der Marienkirche. Mit dem Geld soll die umfangreiche Kunstsammlung von St. Marien gesichert werden.

Zwischen dem 13. und dem 18. Jahrhundert wurden sakrale Kunstwerke für Berlins älteste Gotteshäuser – die Nikolai-, Marien- und Klosterkirche – von wohlhabenden Bürgern gestiftet. Die Qualität der Malerei weist auf hochkarätige Künstler hin. 89 Kunstwerke gehören zur Kunstsammlung von St. Marien, darunter Gemälde aus der Cranach-Schule, bei denen sich Farbschichten lösen, sowie kostbare Altarteile aus dem Mittelalter, die verstaubt in der Turmhalle liegen. Zu den prominenten Unterstützern der Marienkirche gehören auch Lothar de Maizière, Bischof Wolfgang Huber und „Tagesspiegel“-Herausgeber Hermann Rudolph. Lo.

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