Berlin : Quacksalber: Mit der Hand und mit der Rute behandelt

kf

Schmerzte es in der Bandscheibe, in den Gelenken oder am Kopf, legte Aron D. den Patienten die Hand auf. Gegen die Nikotinsucht setzte er eine andere Strategie ein. "Er stellte sich hinter meinen Mann, schüttelte seinen Kopf von vorne nach hinten und sagte immer wieder: Ich werde nicht mehr rauchen!", beschreibt eine Zeugin den Vorgang. 150 Mark habe eine Sitzung gekostet, der Erfolg sei allerdings "völlig ausgeblieben".

Seit Montag muss sich Aron D., ein gelernter Schuhmachermeister, vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten. Die Staatsanwältin wirft dem 61-Jährigen vor, in einer Praxis an der Kantstraße fünf Patienten "behandelt" zu haben, obwohl er die Heilkunde nicht ausüben durfte. Aron D. bestreitet dies. "Ich wollte in der Praxis eine Ausbildung zum Heilpraktiker machen", sagt der Angeklagte. Hand aufgelegt habe er lediglich auf Weisung des Chefs, der nun ebenfalls auf der Anklagebank sitzt.

Die Verhandlung nutzt der Heilpraktiker als Bühne: Gestikulierend wandert Manfred E. durch den Saal. Er schimpft, doziert, klagt an. "Herr D. ist ein echter Wunderheiler", sagt der 47-Jährige. "Und Sie haben nichts anderes zu tun, als uns bei dieser Tätigkeit zu stören!" Seinen Patienten stellt der 47-Jährige gute Heilungschancen in Aussicht: 60 Prozent bei Erwachsenen mit Migräne, 80 bis 90 Prozent bei Kindern mit Asthma. Allerdings vermag die Methode nicht jeden zu überzeugen. "Jetzt hol mal Dein Wünschelrütchen und mach mal", beschreibt eine Zeugin ihren Therapiebeginn. Tatsächlich habe sie Aron D. daraufhin mit einer Rute untersucht. Diagnose: Keine Erdstrahlen zu verzeichnen.

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