Berlin : Qualität soll Schule machen

Senator Klaus Böger (SPD) will mit Hilfe von Wissenschaftlern besseren Unterricht an Grund- und Oberschulen durchsetzen

Susanne Vieth-Entus

Bildungssenator Klaus Böger (SPD) will eine neue „Qualitätsoffensive“ an Berlins Schulen starten: Humboldt- und Freie Universität sollen den Wissenstand der Grundschüler untersuchen und die besten Methoden herausfinden, um ausländischen Kindern die deutsche Sprache beizubringen. Ein neu gegründetes Referat in seinem Haus soll die Uni-Erkenntnisse umsetzen und als „Ideenschmiede“ Verbesserungen auf den Weg bringen. Zudem hat Böger Ex-Schulsenatorin Sybille Volkholz engagiert. Sie soll den Modellversuch „Eigenverantwortliche Schule“ managen.

Anlass für die geplanten Untersuchungen der Universitäten ist nicht nur die Pisa-Studie. Vielmehr klagen die Oberschulen seit Jahren darüber, dass die Grundschüler angeblich zunehmend schlecht vorbereitet zu ihnen kommen. Deshalb wird HU-Professor Rainer Lehmann zunächst den Wissensstand der Viertklässler repräsentativ erheben und dann nach Klasse 5 und 6 erneut abfragen. Im Mittelpunkt stehen Leseverständnis, Rechtschreibung, Mathematik und naturwissenschaftliches Grundwissen. Auch elementare methodische Kompetenzen der rund 4000 Teilnehmer werden untersucht.

Böger hält die Studie trotz knapper Kassen für notwendig und ist optimistisch, dass er die Gelder tatsächlich vom Senat bekommt, weil gerade diese Schuljahre „enorm bedeutsam“ seien: Es müsse dringend herausgefunden werden, „ob wir das Potential der Zehn- bis Zwölfjährigen wirklich nutzen“.

Nicht weniger wichtig ist die Studie, die FU-Forscher Hans Merkens vorhat. Er will herausfinden, welche Methoden am geeignetsten sind, um ausländischen Kindern die deutsche Sprache zu vermitteln. Schließlich wird seit rund 40 Jahren an den Schulen herumexperimentiert, ohne dass jemals systematisch untersucht wurde, wie der Spracherwerb am besten klappt. Bekannt ist nur, dass hier vieles schief läuft. Andernfalls würden nicht derart viele ausländische Kinder in den Schulen scheitern. Auch Merkens möchte bereits im kommenden Jahr mit seiner Studie starten. Hierfür will Böger Geld von privaten Stiftungen „auftreiben“.

Damit aus derartigen Untersuchungen auch die richtigen Schlüsse gezogen werden, gibt es ab Januar ein neues „Qualitätsreferat“ in der Senatsbildungsverwaltung. Hier sollen alle Fäden zusammenlaufen, die in Sachen „Qualitätssicherung und -entwicklung“ geknüpft werden. Es wird eine Bestandsaufnahme geben über das, „was Schule ist und sein soll“. Maximal 18 Mitarbeiter wird das neue Referat haben, das dem Vernehmen nach vom „Vater“ des geplanten Schulgesetzes, Tom Stryck, und der bisherigen Böger-Referentin Angelika Hüfner geleitet werden soll. Das neue Referat soll auch eine Art „Ideenschmiede“ werden, Maßstäbe entwickeln und vor Ort in den Schulen Überzeugungsarbeit zu leisten, damit die Ideen auch umgesetzt werden.

Böger hat aber noch mehr vor. Damit das große Vorhaben der „eigenverantworteten Schule“ zum Erfolg wird, hat er die ehemalige grüne Bildungssenatorin Sybille Volkholz gebeten, den Modellversuch zu begleiten. Als Koordinatorin der Bildungskommission bei der Heinrich-Böll-Stiftung und langjährige Bildunsgpolitikerin hat sie das notwendige Knowhow und ist auch bereit, ehrenamtlich diese Aufgabe in einer Art „Aufsichtsrat“ zu übernehmen.

Der Modellversuch soll anknüpfen an das im kommenden Jahr auslaufende Projekt „Schulqualität in Berlin“ (SQIB). Hier haben rund 30 Schulen bereits eigene Schulprogramme entwickelt. Jetzt muss es darum gehen, von den Bezirken die notwendigen finanziellen Freiräume zu bekommen, um mehr Spielraum bei Sach- und Personalentscheidungen sowie bei Fortbildungen zu gewinnen. 50 bis 100 Schulen können freiwillig mitmachen, um diese wichtige Komponente des neuen Schulgesetzes vorzubereiten.

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