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Qualitätskontrollen im Berliner Bildungswesen : Rund 50 Schulen müssen nachsitzen

Bei der zweiten Runde der Schulinspektionen fallen mehr Einrichtungen durch. In Extremfällen hilft selbst die zweijährige Intensivbetreuung nicht weiter.

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Zwischenbilanz: 60 Prozent mehr Schulen bestehen die Schulinspektion nicht.
Zwischenbilanz: 60 Prozent mehr Schulen bestehen die Schulinspektion nicht.Foto: dpa

Alle fünf Jahre bekommen Berlins Schulen Besuch: Ein Team von Fachleuten durchleuchtet Abläufe, Lernerfolge, Unterrichtsstunden und die Führungsqualitäten der Schulleiter. Kurz vor Abschluss der zweiten berlinweiten Inspektionsrunde steht fest: Noch mehr Schulen als beim ersten Durchgang scheitern an den Anforderungen. Vor allem die Sekundarschulen sind betroffen.

Der Negativtrend ist deutlich: Der Anteil der Schulen mit „erheblichem Entwicklungsbedarf“, so die offizielle Sprachregelung, hat sich klar erhöht. Schon über ein Jahr vor dem Ende der zweiten Runde - im März 2016 - waren 37 Schulen durchgefallen und damit schon fünf mehr als beim ersten Durchgang, der von 2005 bis 2011 stattfand.

Bereits 44 Schulen bekamen bescheinigt: Es reicht nicht

Diese Tendenz hat sich bestätigt: Im neuen Bildungsbericht Berlin-Brandenburg, der am 21. März 2017 veröffentlicht wurde, war zu lesen, dass die Quote der Durchfaller von 4,64 Prozent auf 7,47 Prozent gestiegen war. Das entsprach 44 Schulen gegenüber 32 in der ersten Runde, obwohl in der zweiten Runde von rund 100 noch gar nicht die Ergebnisse vorlagen. Der Anteil hat sich somit bisher um 60 Prozent erhöht. Wenn es bei diesem Befund bleibt, werden am Ende rund 50 Schulen den gesenkten Daumen gesehen haben.

Offenkundig sind die Unterschiede im Vergleich der Schulformen. So fielen bislang nur ein Gymnasium und eine Berufsschule durch, aber 19 Grundschulen und 14 Sekundarschulen. Bei den bisher untersuchten Sonderschulen waren zwei dabei.

Schwierige Fusionen beeinflussten das Ergebnis

Besonders auffällig ist die Entwicklung bei den Sekundarschulen. Hinter vielen liegen schwierige Fusionen und Umstellungen. Allein in Marzahn-Hellersdorf schafften drei Sekundarschulen es nicht, die Inspekteure zu überzeugen. Darunter auch die Wolfgang-Amadeus-Mozart- Schule, die bereits zum zweiten Mal scheiterte. Dies wurde vor einer Woche bekannt, weil die Eltern mit einem Brandbrief auf das aggressive Verhalten etlicher Kinder und auf chaotische Zustände hingewiesen hatten.

Der Fall der Mozart-Schule ist insofern exemplarisch, als auch sie einen besonders schwierigen Umstellungsprozess durchläuft: Aus der ehemaligen Grundschule ist eine Gemeinschaftsschule geworden – ein Prozess, der diese Schule im sozialen Brennpunkt offenbar überfordert hat. Sie ist aber nicht die einzige, die schon zum zweiten Mal große Probleme attestiert bekommen hat. Wie die Senatsverwaltung für Bildung mitteilte, gibt es unter den bisher zum zweiten Mal untersuchten 530 Schulen sechs, die zwei- oder sogar dreimal vor den Augen der Prüfer nicht bestehen konnten.

Wenn die Schule Hilfe braucht, kommt ein Coach

Nur eine dieser sechs Schulen hat es inzwischen geschafft, sich aus dieser untersten Liga hochzuarbeiten. Bei vier Schulen steht eine weitere Inspektion noch aus. In einem einzigen Fall steht inzwischen fest, dass auch ein inzwischen dritter Anlauf keinen neuen Stand brachte. Hierbei handelte es sich um die Hellersdorfer Pusteblume-Grundschule, wie der Tagesspiegel berichtete. Erst am Ende des Schuljahres 2016/17 werden alle Schulen mindestens zum zweiten Mal besucht worden sein.

Wenn eine Schule den besagten „erheblichen Entwicklungsbedarf“ bescheinigt bekommt, gibt es eine zweijährige Hilfestellung. Sie besteht darin, dass ein Team von „Pro Schule“ kommt. Dabei handelt es sich meist um erfahrene Pädagogen, die imstande sein sollen, die Schulleiter zu coachen. Wenn es eher im fachlichen Bereich im Argen liegt, kann man auch spezielle fachliche Hilfe bekommen.

Nach Informationen des Tagesspiegels wurde die Leitung des Pro-Schul-Teams ausgewechselt. Ob dieser personelle Wechsel damit zu tun hat, dass die Beratung in einigen Fällen erfolglos war, ließ sich am Wochenende nicht klären.

Kollegium austauschen, Sozialarbeit einrichten - wie Schulen sich verbessern

Etlichen Schulen gelingt es, sich nach einem schlechten Ergebnis hochzuarbeiten. Dies gilt etwa für die Schule am Staakener Kleeblatt, die 2012 durchgefallen war und im Januar 2016 eine positive Bewertung bekam. Die Schule habe „hart an sich gearbeitet“, berichtet die SPD-Abgeordnete Burgunde Grosse, die in der Schulkonferenz der Schule vertreten ist. Das Kollegium sei „weitgehend ausgetauscht, junge Lehrerinnen und Lehrer neu eingestellt und eine hervorragende Schulsozialarbeit installiert“ worden, erklärt Grosse.

In Spandau sind bei der zweiten Inspektionsrunde bislang vier Schulen durchgefallen, darunter das berlinweit einzige Gymnasium, das den Prüfern nicht gefiel. Keiner einzigen Schule wurde in Charlottenburg-Wilmersdorf bescheinigt, dass sie schlecht arbeitet – in der ersten Runde waren es noch drei Grundschulen gewesen. In Tempelhof-Schöneberg sind vier Grundschulen negativ aufgefallen – mehr als in jedem anderen Bezirk.

Für Eltern, die eine weiterführende Schule für ihr Kind suchen, können die Inspektionsberichte eine Hilfe sein. Ab der zweiten Inspektionsrunde müssen sie im Netz bei den Schulporträts veröffentlicht werden. Von der ersten Runde finden sich nur die eher positiven Berichte im Netz, weil die Veröffentlichung damals noch freiwillig war. Die Schulen konnten selbst entscheiden, ob sie die Berichte auf ihrer Homepage verlinken.

Einzelne Berliner Schulportraits finden Sie hier.

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