Quartiermeister, Wostok und Co.in Berlin : Junge Getränkefirmen trotzen den Konzernen

Die Cola ist klar, nicht braun, die Limonade schmeckt nach Tanne, und mit dem Bier werden Kiezprojekte gefördert. Junge Berliner Getränkefirmen setzen auf Individualität und wollen so den großen Konzernen trotzen.

Simon Grothe
Na, dann Prost. Mirko Bode hat den Getränkehandel „Revolutiondrinks“ gegründet. Bei dem Unternehmen geht es nicht nur um den Geschmack der Produkte, sondern auch um bestimmte Herstellungsbedingungen.
Na, dann Prost. Mirko Bode hat den Getränkehandel „Revolutiondrinks“ gegründet. Bei dem Unternehmen geht es nicht nur um den...Foto: Privat

Sich für soziale Projekte zu engagieren kostet Zeit. Da wäre es doch praktisch, man kauft ein Produkt, dessen Erlös gespendet wird. Die Idee ist nicht neu, zeitweise wurde beim Kauf einer Kiste Bier einer großen deutschen Brauerei ein Quadratmeter erhaltener Regelwald versprochen. Der Regenwald ist natürlich ziemlich weit weg. "Quartiermeister" , eine Marke aus Berlin, spendet seinen Erlös hingegen an lokale Projekte. 1000 Euro gingen beispielsweise an die Berliner Initiative "Ins Gespräch kommen", die unter anderem Sprachförderung für MigrantInnen anbietet. Für den Geschäftsführer von "Quartiermeister", David Griedelbach, ist das selbstverständlich, denn Bier sei ein soziales Produkt: „Wir trinken es in einer geselligen Runde. Wir trinken es, wenn wir Spaß haben“, sagt er.

Mit dieser Denkweise stehe David Griedelbach nicht alleine da. Bei Getränken werde die Ethik des Herstellers immer wichtiger, sagt Mirko Bode, Gründer des Getränkehandels Revolutiondrinks und begründet dies mit soziologischen Worten: „Die Konsumenten suchen das Getränk auch als Identifikationsbezug.“ Wichtig sei ihnen ökologische Produktion, Regionalität und faire Arbeitsbedingungen. Zusätzlich versuchen die Produzenten, sich mit neuen Geschmacksrichtungen von anderen abzusetzen.

Cola muss nicht braun sein, Brausen müssen keine chemischen Verstärker enthalten und Limonaden nicht nur nach Zitrone schmecken. Das zeigen kleine Berliner Start-Up-Unternehmer, die mit ihren experimentellen Getränken den Markt aufmischen. Mit dem Dreiklang vegan, regional, möchten sie die Cola der Großkonzerne und die Energydrinks aus den Spätis und Kneipen verdrängen. Die großen Marken versuchen ebenfalls, den individuellen Durst zu stillen, Coca-Cola mit Georgia, Warsteiner mit den Aloha-Surfsodas und Carlsberg mit Beo. Doch viele Verbraucher vertrauen den Konzernen nicht mehr. Seit Bionade von McDonald’s und Starbucks in Plastikflaschen angeboten wird, sind die Verkaufszahlen von 200 Millionen auf 60 Millionen Flaschen pro Jahr eingebrochen. Alternative Brausen sind begehrt, und deshalb versuchen einige Berliner Kiezbrauer ihr Glück in der Getränkebranche.

Eine Millionen Wostok-Flaschen pro Jahr - und immer noch ein Geheimtipp

So erklärt sich auch der Erfolg der Wostok-Limonade. Obwohl sie mit dem Geschmack "Tannenwald" wirklich ein wenig speziell schmeckt, ist sie europaweit in mehr als 600 Geschäften, Cafés und Spätis zu finden. Wie kann eine Tannennadel-Limonade so erfolgreich sein?

„Der komische Geschmack ist natürlich ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Geschäftsführer Joris van Velzen. Obwohl er 2013 über eine Million Flaschen verkaufte, ist das Getränk noch ein Geheimtipp, denn der gebürtige Niederländer macht keine Werbung. Ein kluger Schachzug, denn große Werbekampagnen machen eine Marke zum Mainstream, den die Zielgruppe der alternativen Getränke unbedingt meiden will. Die Werbung machten vor allem die Kosumenten. „Auf Facebook, Instagram und anderen sozialen Netzwerken posten ständig Leute ihre Wostok-Flaschen und denken dabei immer, etwas Neues entdeckt zu haben“, sagt van Velzen.

Die Motive der Jungbrauer sind unterschiedlich. Die Anstöße sind idealistischer, manchmal auch persönlicher Natur, wie bei der Glam Cola aus Neukölln. Gründerin Nermin Çelik wollte einfach nicht, dass ihre Kinder typische Cola trinken. Sie entwickelte die erste klare Cola, frei von Phosphorsäure und Farbstoffen.

Wer eine Flasche Quartiermeister kauft, darf mit entscheiden, für welche Projekte gespendet wird. Die Firma stellt online fünf Projekte vor, über die die Konsumenten abstimmen können. So treffen Konsum und Engagement aufeinander.

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