Quartiersmanagement : 21 Millionen Euro mehr im Jahr für Problemkieze

Der Senat reagiert auf die Verschärfung der sozialen Probleme in einigen Teilen der Stadt und erweitert das Quartiersmanagement. Fünf neue Fördergebiete für Sozialarbeit wurden festgelegt.

Matthias Lehmphul

In fünf weiteren Gebieten werden künftig Sozialarbeiter zusammen mit Bewohnern und Gewerbetreibenden Projekte entwickeln. Dadurch soll zum Beispiel das Wohnumfeld verbessert und Bewohnern im Umgang mit Ämtern oder bei der Jobsuche geholfen werden. Das vermehrte Kiezmanagement kostet die Stadt einiges: Der Aufwand wächst um 21 Millionen Euro jährlich. Insgesamt werden in den nächsten zwei Jahren 100 Millionen Euro für Projekte im Kiez ausgegeben.

„Wir wollen die Schwächen gemeinsam mit den Bewohnern angehen“, sagte Ingeborg Junge-Reyer (SPD), Senatorin für Stadtentwicklung. In den neuen „Fördergebieten“ würden Spielplätze gebaut und Ausbildungsinitiativen gegründet. Und in dem Quartier Spandauer Neustadt sei ein Jobkiosk entstanden. Hier wollen die Unternehmer den Jugendlichen Ausbildungsplätze und Arbeitsstellen anbieten. Dafür seien 2010 und 2011 jeweils 40 000 Euro vorgesehen.

Die Auswahl der Kieze erfolgt auf Grundlage der vor einigen Monaten vorgestellten Studie „Monitoring soziale Stadt“. Zu den unterstützten neuen Quartieren zählen in Neukölln der südöstlich an den Hermannplatz angrenzende und von Sonnen- und Karl-Marx-Straße eingefasste Bereich „Donaustraße-Nord“. Ebenfalls in Neukölln liegt das Quartier Ganghoferstsraße südlich des U-Bahnhofs Rathaus Neukölln. In Moabit wird das Gebiet südlich der Perleberger Straße gefördert. Auch die Spandauer Neustadt wird Fördergebiet – und in Reinickendorf der Bereich Letteplatz. Als einziges „Ostviertel“ kommt die Hellersdorfer Promenade mit ihren Plattenbauten dazu.

Obwohl fast alle neuen Quartiere im früheren Westen Berlins liegen, will Senatorin Junge-Reyer nichts von einem neuen sozialen „Westproblem“ wissen. Die „soziale Problematik“ sei ausschlaggebend für die Betreuung. In den Quartieren im Westteil der Stadt lebten besonders viele Jugendliche mit Migrationshintergrund. Migranten stellten dort über 60 Prozent der Bevölkerung.

Das ist im Quartier „Hellersdorfer Promenade“ nicht der Fall. Aber dort lebt jeder Zweite von Hartz IV oder anderen staatlichen Hilfen. Anders als in Neukölln sind in Hellersdorf aber die Spätaussiedler aus den GUS-Staaten die „weitaus größte Gruppe“ unter den Migranten. Außerdem ist jeder Vierte überschuldet. Das Quartier hat zudem den stadtweit höchsten Anteil an jungen und alleinerziehenden Eltern.

Eine gute Nachricht hatte die Senatorin auch: Der Boxhagener Platz in Friedrichshain wurde aus diesem sozialen Programm entlassen. Der Kiez gilt unter Jugendlichen als Ausgehviertel – das führte zum Zuzug von Haushalten mit besseren Einkommen. Doch von dieser positiven Entwicklung abgesehen, musste das Quartiersmanagement in Berlin seit seiner Einführung im Jahr 1999 immer weiter ausgedehnt werden. Damals gab es nur 15 „Gebiete mit besonderem Entwicklungsbedarf“ – inzwischen sind es 39.

Junge-Reyer will die Finanzierung sozialer Förderprogramme auf die wesentlichen Stadtgebiete konzentrieren. Sie schloss nicht aus, dass deshalb bestehende Förderprogramme gekürzt werden müssen. Matthias Lehmphul

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