Berlin : Quartiersmanagement: Aus dunklen Löchern wurden helle Eingänge

Tobias Arbinger

Staatssekretär Frank Bielka (SPD) hat sich dafür ausgesprochen, das Quartiersmanagement in 15 innerstädtischen Kiezen über die bislang vorgesehene Frist Ende 2001 zu verlängern. "Daran, dass das Quartiersmanagement sinnvoll ist und in den nächsten Jahren weiter läuft, gibt es keinen Zweifel", sagte der Stadtentwicklungsstaatssekretär am Mittwochnachmittag bei einer Besichtigung von Projekten am Kottbusser Tor. Quartiersmanagement versucht mit verschiedenen sozialen und städtebaulichen Programmen in den Kiezen soziale Fehlentwicklungen, Verwahrlosung und den Wegzug von sozial intakten Familien zu stoppen. Allein 1999 wurden rund 50 Millionen Mark in die 15 Projekte gesteckt.

Indizien, die die Probleme rund um das Kottbusser Tor belegen, gibt es genug: In einer Seitenstraße steht ein Autowrack, einen Steinwurf davon entfernt trifft sich eine der härtesten Drogensszenen der Stadt, und in einem Hausflur des sozialen Wohnungsbaus "Zentrum Kreuzberg", das die Adalbertstraße überspannt, haben Unbekannte schon wieder Grafitti auf eine frisch gestrichene Wand gekokelt. Etwa ein Drittel der rund 4400 Bewohner lebt von Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe.

Seit Ende 1998 sind Quartiersmanager im Kiez aktiv. ABM-Kräfte haben beispielsweise Hausflure des "Zentrum Kreuzberg" gestrichen, eine Vermittlungsstelle hat mehr als 100 Jugendlichen Ausbildungsplätze verschafft. Vor dem Gebäude laufen Bauarbeiten für einen Spielplatz. Die überwiegend nichtdeutschen Einzelhändler haben sich organisiert, machen sich eigene Gedanken über den verwahrlosten "Kotti".

"Ich habe das Gefühl, dass wichtige Schritte eingeleitet worden sind", sagte Staatssekretär Frank Bielka der zurzeit alle 15 Gebiete mit Quartiersmanagement besichtigt. Er glaube zwar nicht, dass sich alle "Blütenträume", die die Bewohner hegten, erfüllen würden. Es sei schon ein Erfolg, wenn die Viertel nicht weiter herunterkämen und das Zusammenleben besser würde.

Die Wohnungsbaugesellschaft GSW, die auf der gegenüberliegenden Seite des Kottbusser Tors Wohnungen vermietet, lässt Treppenaufgänge renovieren und eine Pförtnerloge bauen. Die Innenhöfe sollen nicht mehr für jedermann zu betreten sein, die Zugänge mit Videokameras überwacht werden. Auf derartiges Gerät greift auch die Wohnungsbaugesellschaft WIR zurück, deren Häuser am Kreuzberger Mehringplatz Bielka ebenfalls besichtigte. Sie sind zwar kein Quartiersmanagement-Gebiet, immer mehr kommunale Wohnungsgesellschaften betreiben jedoch mittlerweile ähnliche Konzepte, um die hohe Mieterfluktuation zu bremsen.

Für etliche Millionen Mark hat die WIR Hauseingänge und Fassaden der Sozialbauten aus den 70ern renoviert, aus "dunklen Löchern" mit großen Fenstern versehene Entrees gemacht. Damit die Höfe weniger öffentlich und anonym sind, wurden auch dort Durchgänge zugebaut. "Vandalismus ist auch dadurch bedingt, dass sich niemand zuständig fühlt", sagte der beauftragte Architekt. Am Mehringplatz laufen seit zwei Jahren zudem Beamte einer Wachschutzfirma Patrouille. Auseinandersetzungen zwischen zwei Jugendgangs, die die Mieterschaft bis dahin verunsicherten, hätten aufgehört, heißt es. Über Wachschutz wird auch im Zentrum Kreuzberg diskutiert. Vermieter Peter Ackermann ist das aber zu teuer. Investitionen in AB-Maßnahmen oder Projekte wie den Spielplatz halte er für sinnvoller. Ackermann ist sogar für die Einrichtung umstrittener "Druckräume" für Fixer. "Das sind doch Kranke, keine Kriminelle".

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