Berlin : Quartiersmanagement: Ein Traum jedes Stadtplaners

Ole Töns

Nicht reden - handeln. Auf diesen Nenner lässt sich die Geschichte zweier Kiezprojekte im Rahmen des Berliner Quartiersmanagements bringen, die beim Wettbewerb "Soziale Stadt 2000" ausgezeichnet wurden: die Entwicklung einer ehemaligen Brachfläche in der Marienburger Straße in Prenzlauer Berg zu einer von Anwohnern geplanten und betreuten Freizeitfläche sowie das Quartiersmanagement und der Beschäftigungspakt in der Neuköllner Rollbergsiedlung. Beworben hatten sich 101 Projekte aus ganz Deutschland.

"Ein Platz für Marie" hatten die Bewohner des Sanierungsgebietes um die Marienburger Straße ihre Initiative genannt. Während eines Workshops sammelten sie Ideen und Wünsche für "ihren Park". Drei Jahre ist das jetzt her. "Das war hier eine Art Mondlandschaft", erinnert sich die Stadtplanerin Birgit Wend von der Gesellschaft für Stadterneuerung S.T.E.R.N., die das Projekt betreut. Die Bewohner bekamen finanzielle Hilfe aus dem Bezirksamt. Heute haben sie einen auffallend fantasievollen Stadtpark mit Abenteuerspielplatz, Bowlingfläche unter Platanen und Gemüsebeeten. Aufsicht und Pflege sind ehrenamtlich. Ein Traum vieler Stadtplaner: "An Sommerabenden sitzen die Nachbarn hier mitten in einem der am dichtesten bebauten Altbaugebiete Berlins auf der Wiese beim Abendbrot mit Petersilie und Tomaten aus eigenem Anbau."

Ungleich komplexer war die Ausgangslage in der Neuköllner Rollbergsiedlung: Vor drei Jahren, als das Quartiersmanagement unter Federführung der Stadtentwicklungsbehörde ins Leben gerufen wurde, war hier absehbar, was jetzt als Teilnahmekriterium für den Wettbewerb galt: Gesucht wurden Wohngebiete, die ins soziale Abseits abzurutschen drohen. "Inzwischen hat der Norden des Bezirks eine Arbeitslosenquote von über 30 Prozent." Peter Boltz von der mit dem Quartiersmanagement beauftragten Vermietergesellschaft, "Stadt und Land" nennt damit nur ein aktuelles Problem des Umfeldes. Innerhalb des betreuten Wohngebietes liegt die Arbeitslosenzahl nach seinen Angaben heute allerdings um rund zehn Prozent niedriger.

Zwar hat dazu eine Fülle von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wesentlich beigetragen. Doch laut Boltz ist der Erfolg auch eher in nachbarschaftlichen Strukturen und Selbsthilfe zu sehen. Regelmäßig erscheint eine von den Anwohnern erstellte kleine Zeitschrift. Ein Kulturhaus im Kiez habe sich zum abendlichen Treffpunkt entwickelt. Diskussionen der Mieterbeiräte, gemeinsame Kunstaktionen im Wohnumfeld finden allgemeinen Anklang. Es ist die Vernetzung von Initiativen und Gruppierungen, die laut Boltz allmählich Erfolge zeitigt: Auch das Image der Rollberge sei merklich besser geworden.

Erfolge, so wurde bei der Preisverleihung allerdings deutlich, kann das Quartiersmanagement zur Zeit auch brauchen. Derzeit werde die Kosten-Nutzen-Relation aller 15 Berliner Projekte im Auftrag des Senats wissenschaftlich ausgewertet. Das Ergebnis soll in Kürze im Parlament diskutiert werden.

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