Berlins CDU und ihre Mitgliederbefragung : Ehe für alle: Ja, nein, vielleicht

In Sachen Öffnung der Ehe kennt die Berliner CDU weder Ja noch Nein. Für die Mitglieder gibt es eine „fünfteilige Abstimmungsskala“. Ob man die Frage nach dem Bund fürs Leben mit „vielleicht“ beantworten kann? Ein Kommentar.

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Szenen keiner Ehe: Innensenator Frank Henkel (CDU, links) und der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Donnerstag im Abgeordnetenhaus.
Szenen keiner Ehe: Innensenator Frank Henkel (CDU, links) und der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) im...Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Man stelle sich das vor: Wenn, rein theoretisch, der Berliner Innensenator den Regierenden Bürgermeister heiraten wollte. Der Standesbeamte im Roten Rathaus würde fragen: „Wollen Sie, Herr Frank Henkel mit Ihrem hier anwesenden Verlobten, Herrn Michael Müller, die Ehe eingehen? Dann antworten Sie bitte mit Ja.“ Henkel: „Na ja, vielleicht. Um genau zu sein: 2,58.“ Absurd? Nicht zu absurd, wenn es nach der Berliner CDU zu gehen scheint. Vor zwei Wochen wäre die Senatskoalition an dem Thema Eheöffnung fast zerbrochen. Henkels CDU konnte sich nicht zu einem Ja im Bundesrat durchringen, kündigte stattdessen eine Mitgliederbefragung an.

Nichts einfacher als das, könnte man meinen. Keine andere Frage lässt sich weniger mit einem „Vielleicht“ beantworten als die nach dem Bund fürs Leben. Nicht so bei Berlins CDU. Nicht bei Ja oder Nein werden die Mitglieder ihr Kreuz machen, sondern auf einer „fünfteiligen Abstimmungsskala“ (Möglichkeiten: „stimme voll und ganz zu“ bis „stimme überhaupt nicht zu“). Es heißt, Henkel hoffe auf klare Zustimmung. Nun, Ja sagen kann die Partei schon mal nicht. Wenn’s hochkommt, reicht es zum Vielleicht.

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