"Call Me By Your Name" im Berlinale-Panorama : Sonnensattes Coming-Out-of-Age

Schöne Männer am Pool: In der Romanadaption "Call Me By Your Name" erzählt Regisseur Luca Guadagnino eine Sommerromanze in Italien, die süß und bitter zugleich ist.

Katrin Doerksen
Armie Hammer (r.) und Timothée Chalamet (li. im Vordergrund) in „Call me by your Name“.
Armie Hammer (r.) und Timothée Chalamet (li. im Vordergrund) in „Call me by your Name“.Foto: Sony

Luca Guadagnino, Chronist diffiziler Strukturen der Begierde in „I Am Love“ oder „A Bigger Splash“, lässt zwei schöne Männer sich in „Call Me By Your Name“ zu den Gesängen Sufjan Stevens’ heftig ineinander verlieben. Ihre Körper am Pool: lebendige Entsprechungen perfekt proportionierter antiker Statuen; sie deuten gleich die queere Thematik an.

In den Dörfern südlich des Gardasees ist die Zeit stehen geblieben. „Man wartet hier einfach, bis der Sommer vorüber ist,“ sagt Elio (Timothée Chalamet), der mit seinen Eltern und Oliver (Armie Hammer), dem amerikanischen Forschungsassistenten seines Vaters, einige Wochen in der Familienvilla verbringt. Morgens sitzt man in lässig eleganter Kleidung beim Brunch, abends am Piano, die gemeinsame lingua franca ein Amalgam aus Englisch, Französisch, Italienisch.

Lange bleibt unklar, wann der Film genau spielt: das Fehlen von Unterhaltungselektronik scheint in dem intellektuellen Haushalt nur logisch zu sein, die Kleidung könnte heutiger Retro-Mode entsprechen. Hinweise deuten erst nach und nach auf die 80er Jahre: ein Polyesterkleid mit Schulterpolstern, ein Walkman. Das Zurückhalten und Offenbaren lädt die spezifischen Zeitmarker mit besonderer Bedeutung auf. Zugleich beschreibt der Film Kontinuität, die wonnige Zeitvergessenheit eines sonnensatten italienischen Sommers.

Bei der Adaption des Romans wirkte James Ivory mit

Beim Drehbuch wurde Guadagnino von James Ivory unterstützt, dem Meister großbürgerlicher Stoffe, und so haftet dem Erzählfluss etwas Erlesenes, Delikates an. Elio und Oliver suchen erst übervorsichtig Freiräume im ohnehin liberalen Umfeld, der Abschiedsgruß des Amerikaners – „Later!“ – ein verheißungsvolles Hinauszögern des Verlangens nach Zweisamkeit.

Ist der Knoten geplatzt, nähert der jüngere Elio sich Oliver mit Überschwang, in seinem eigentlichen Coming-of-Age-Moment ist es aber allein das feine Gesicht, in dem sich alle Konsequenzen seiner Gefühle abzeichnen, die süßen und die bitteren.

13.2., 21.30 Uhr (Zoo Palast), 14.2., 12 Uhr (Cinemaxx), 15.2., 17 Uhr (Cubix), 17.2., 17 Uhr (Cubix), 19.2., 21.30 Uhr (Zoo Palast).

Mehr LGBTI-Themen finden Sie auf dem Queerspiegel, dem queeren Blog des Tagesspiegels. Folgen Sie dem Queerspiegel auf Twitter:

Queerspiegel - Der Tagesspiegel-Blog für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen und für alle, für die die Welt bunt wie ein Regenbogen ist.

0 Kommentare

Neuester Kommentar