Digitale Pioniere (12): Alan Turing : Vater der künstlichen Intelligenz

Alan Turing ist der Vater der künstlichen Intelligenz, er knackte Enigma, die Verschlüsselungsmaschine der Nazis. Weil er schwul war, wurde er verfolgt und verurteilt. Rehabilitiert wurde er erst lange nach seinem Tod.

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Alan Turing, britischer Informatiker und Entschlüsseler von "Enigma".
Alan Turing, britischer Informatiker und Entschlüsseler von "Enigma".Foto: picture alliance / dpa

Vor 75 Jahren stellte Konrad Zuse den ersten funktionsfähigen Computer Z3 in Berlin vor - aus diesem Anlass porträtiert der Tagesspiegel 75 digitale Pioniere. In dieser Folge geht es um Alan Turing, den Vater der künstlichen Intelligenz - der wegen seines Schwulseins vom britischen Staat verfolgt wurde.

Aller Ehren wert

Wann können Maschinen denken? Alan Turing hatte darauf eine einfache Antwort: Wenn es ein Computer schafft, sich im Dialog mit Menschen als Mensch zu tarnen. Er entwickelte dazu einen Test, bei dem sich Mensch und Maschine messen können. Dieser Test mag umstritten sein – Turings großes Wirken als Vater der künstlichen Intelligenz ist es nicht.

Zur Person

Dass Turing, geboren 1912, hochbegabt war, soll sich schon früh gezeigt haben. Angeblich brachte er sich binnen drei Wochen das Lesen selber bei. Mit 16 Jahren durchdrang er die Arbeiten Albert Einsteins. Turing studierte in Cambridge, 1936 kam sein wissenschaftlicher Durchbruch. Er entwarf eine abstrakte Rechenmaschine, die alle berechenbaren Aufgaben lösen kann. Diese „Turing-Maschine“ ist bis heute die Grundlage der theoretischen Informatik und des Computers. Den „Turing-Test“ zur Messung künstlicher Intelligenz entwickelte er 1950, als ebenso richtungsweisend gelten seine Arbeiten zur theoretischen Biologie.

Bekannt sein dürfte er einer breiten Öffentlichkeit indes als derjenige, der „Enigma“ knackte, die berüchtigte Verschlüsselungsmaschine der Nazis. Der britische Geheimdienst hatte ihn 1939 für die Aufgabe angeworben, jüngst zeigte der Film „Imitation Game“ die nervenaufreibende Jagd nach dem Code.

Trotz Turings Verdiensten nahm sein Leben jedoch eine tragische Wendung. Turing war schwul, was im Großbritannien der 1940er und 1950er Jahre gesellschaftlich überhaupt nicht akzeptiert war und als Straftat verfolgt wurde. 1952 wurde er wegen seiner Homosexualität verurteilt – zu Gefängnis oder chemischer Kastration. Turing entschied sich für Letzteres. Es folgte eine Hormonbehandlung, die ihn an Depression erkranken ließ. Zwei Jahre später beging er Selbstmord. Erst 2009 entschuldigte sich der damalige Premierminister Gordon Brown im Namen der Regierung für die Verurteilung und Behandlung Turings. Es dauerte noch einmal vier Jahre, bis die Queen ihn posthum begnadigte.

Gut zu wissen

Turing glaubte, dass spätestens im Jahr 2000 eine Maschine den Turing-Test bestehen könne. Tatsächlich hat das bis heute keine geschafft.

- Vor 75 Jahren stellte Konrad Zuse den ersten funktionsfähigen Computer Z3 in Berlin vor. Aus diesen Anlass blicken das Zuse-Institut Berlin und der Tagesspiegel am 11. Mai auf einer internationalen Konferenz in die digitale Zukunft: „The Digital Future – 75 Years Zuse Z3 and the Digital Revolution.“  75 Folgen über die wichtigsten Wegbereiter des digitalen Zeitalters zeigen, was bisher geschah. Mehr zur Veranstaltung: www.science-match.info

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