Intersexuelles Model : Hanne Gaby Odiele spricht über eigene Intersexualität

Das Model Hanne Gaby Odiele hat erstmals darüber gesprochen, intersexuell zu sein - und medizinische Eingriffe an intersexuellen Kindern kritisiert. Sie leide bis heute darunter.

Das Model Hanne Gaby Odiele. Foto: imago
Das Model Hanne Gaby Odiele.Foto: imago

Das belgische Model Hanne Gaby Odiele, das unter anderem für die Modemarken Yves Saint Laurent, Chanel und Prada auf dem Laufsteg stand, ist intersexuell. Es sei ihr wichtig, ein Tabu zu brechen, sagte die 29-Jährige der Zeitung „USA Today“ in einem am Anfang der Woche veröffentlichten Interview. „In der heutigen Zeit sollte es vollkommen in Ordnung sein, darüber zu sprechen.“

Intersexuelle Menschen haben angeborene Geschlechtsmerkmale, die von der herrschenden gesellschaftlichen und medizinischen Norm nicht als eindeutig akzeptiert werden, die also nicht in die Kategorien männlich oder weiblich passen. So lassen sich bei ihnen Chromosomen, Hormone, Keimdrüsen und äußere Geschlechtsorgane nicht eindeutig zuordnen. Nach Schätzungen kommt etwa eines von 4500 bis 10 000 Kindern intersexuell zur Welt.

Odiele spricht über eigene traumatische Operationen

Odiele, die aus dem belgischen Kortrijk stammt und in New York lebt, ärgert sich bis heute über medizinische Eingriffe an intersexuellen Kindern, um diese männlicher oder weiblicher wirken zu lassen. Sie selbst wurde mit männlichen XY-Chromosomen sowie internen Hoden geboren, die ihre Eltern operativ entfernen ließen, als Odiele zehn Jahre alt war.

"Wie die meisten Intersex-Kinder wurde ich einer unnötigen, nicht mehr rückgängig zu machenden Operation ausgesetzt, der ich nicht einwilligen konnte. Diese Operationen verursachen sehr viel mehr Leid als Wohl", sagte Odiele in einem Post auf ihrer Facebook-Seite. Mit 18 Jahren unterzog sie sich einem weiteren schmerzlichen Eingriff, um ihre Vagina wiederherzustellen.

„Es ist keine große Sache, intersexuell zu sein“, sagte Odiele. Die Qual der beiden traumatischen Eingriffe plage sie aber bis heute. "Diese Operationen gibt es schon seit viel zu langer Zeit. Jetzt muss endlich Schluss damit sein." Nun hofft sie, jungen intersexuellen Menschen durch ihren Gang an die Öffentlichkeit Mut zu machen. „Es ist ein wichtiger Teil meines Lebens, darüber zu sprechen."

Mediziner stehen in der Kritik

Mediziner stehen immer wieder wegen unnötiger Eingriffe bei Intersexuellen in der Kritik. Intersexuelle fordern vor allem ein Verbot von Operationen oder Hormonbehandlungen an Säuglingen oder Kleinkindern mit uneindeutigen Genitalien. Frühestens wenn eine Person im Jugendalter angekommen ist und die Tragweite der Eingriffe ermessen kann, solle sie sich dazu entschließen können. (dpa/Tsp)

Lesen Sie hier einen Text, warum es immer noch zu viele medizinisch unnötige Eingriffe bei intersexuellen Menschen gibt.

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