Neues Lesbenmagazin „Libertine“ : Lesben auf Hochglanzpapier

Der lesbische Zeitschriftenmarkt erweitert sich wieder. Das neue Lesbenmagazin "Libertine" kommt in den Handel - und wirkt ziemlich hetero.

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Ruf nach Freiheit. Das Cover der "Libertine".
Ruf nach Freiheit. Das Cover der "Libertine".

Während in Berlin in Kürze die letzte Lesbenbar dichtmacht, die Serene-Bar, erlebt der lesbische Zeitschriftenmarkt eine erstaunliche Blüte.  Nur fünf Monate, nachdem das neue Lesbenmagazin „Straight“ erschienen ist, kommt am heutigen Mittwoch „Libertine“ in den Handel. Neben dem seit mehreren Jahren etablierten „Lmag“ gibt es damit schon drei Hefte mit lesbischer Zielgruppe. Studieren junge Lesben die Frauen etwa lieber nur vom Lehnstuhl aus anstatt in die Szene zu gehen?

"Jede Lesbe ist anders"

Juliane Rump, Chefredakteurin und Herausgeberin von „Libertine“, glaubt jedenfalls, dass in Deutschland genug Platz für drei Lesbenmagazine ist. „Es gibt zwei Millionen Lesben in Deutschland, und jede ist anders“, sagt sie. Das Startkapital für die zunächst in einer Auflage von 10 000 Stück erscheinende „Libertine“ kam durch Crowdfunding (7700 Euro) und Anzeigen zusammen. Mehrere Mitarbeiter stellten sich erstmal ehrenamtlich zur Verfügung.

"Sein wie wir sind"

 „Freiheit!“ steht pathetisch auf dem Titel von „Libertine“. Es ist aber nicht etwa der verzweifelte Ausruf der Frau auf dem Coverfoto – sie wird von hinten fest von einer anderen umschlungen -, sondern das Motto des Magazins: Dort soll die Freiheit im Mittelpunkt stehen, „zu sein wie wir sind, zu leben wie wir es möchten und zu lieben, wen wir wollen“. Damit will „Libertine“ sich von klassischen Frauenmagazinen absetzen, die implizit Normen für Lebensentwürfe aufstellen und nach wie vor Stereotype vermitteln, sagt Rump.

Kultur, Mode, Reise - und Politik

Sechs Euro kostet „Libertine“, das auf 120 Seiten teurem Hochglanzpapier daherkommt und zahlreiche Fotos mit Kunstanspruch zeigt. Vier Mal im Jahr soll es erscheinen. Die Rubriken ähneln denen in der lesbischen „Straight“ und anderen Frauenzeitschriften (Kultur, Mode, Reise, Leute, Lebensberatung…).  Doch „Libertine“ wirkt optisch weniger hausbacken als „Straight“ und tritt auch politischer auf. Das Heft beginnt mit einem Text über die 25-jährige Studentin Kristina Lunz, die die Kampagne „StopBildSexism“ gegen die „Bild“-Zeitung gestartet hat. Es folgt ein „christlich-konservatives Ja zur Ehe für alle“ der 24-jährigen CDU-Politikerin Diana Kinnert, dann das Titelthema: eine zehnseitige „Ode an die Freiheit“, gestaltet in großer pinker Schrift auf knallgelbem Papier, gefolgt von einem Dossier „Muslimisch, queer und feministisch“, in dem drei lesbische Paare porträtiert werden.

Merkwürdig - im Heft kommen zig Lesben vor, trotzdem wirkt es hetero 

Anders als im „Lmag“ gibt es jedoch keine Terminhinweise oder Berichte über lesbische Ereignisse. Und obwohl es in „Libertine“ von Lesben wimmelt, wirkt das Magazin merkwürdigerweise weniger lesbisch als das bewährte „Lmag“. Das liegt wohl an der Aufmachung, die an klassische Frauenmagazine angelehnt ist, was das Thema Lesben letztlich heterosexuell rahmt – genau wie bei der „Straight“, die auf feminine Lesben zielt.

"Lesbische Frauen definieren sich nicht mehr so stark über das Lesbischsein"

 „„Homosexualität wird immer mehr zum selbstverständlichen Teil unserer Gesellschaft“, erklärt dazu die aus Hamburg stammende Rump,  die schon für unterschiedliche Lifestyle-Magazine gearbeitet hat. Die „Libertine“ solle ja durchaus nicht nur Lesben ansprechen: „Frauen sollen sich für einander begeistern und einander unterstützen – unabhängig davon, wen sie lieben“, sagt Rump. Ein Magazin, das Frauen voneinander abgrenzt, sei nicht ihr Ziel. „Lesbische Frauen definieren sich nicht mehr so stark über das Lesbischsein“, meint Rump.

Wenn das stimmt, könnte das den Niedergang der lesbischen Kneipenkultur erklären – und den möglichen Erfolg von „Libertine“.

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