Queer weiß das (15) : LGBTI bis Trans* - warum redet ihr so kompliziert?

Die Kolumne im Queerspiegel: Heteros fragen, Homos antworten. Heute geht es um die Begriffe LGBTI, Trans* und queer.

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Genau. Unter dem Wort "queer" können sich viele LGBTI (wie hier in Weimar) versammeln. Foto: Candy Welz/dpa
Genau. Unter dem Wort "queer" können sich viele LGBTI (wie hier in Weimar) versammeln.Foto: Candy Welz/dpa

LGBTI, Trans*, queer – warum redet ihr eigentlich so kompliziert? Hannes, Neukölln

Zugegeben: Hätte Klaus Wowereit vor 15 Jahren seiner SPD zugerufen, „Ich bin LGBTI, und das ist auch gut so“, hätten sich die Sozialdemokraten wohl gefragt, wovon er eigentlich spricht. Von den Lankwitzer Genossen für besseren Tierschutz? Mit Sicherheit wäre der Satz, mit dem Wowereit dem Outing in der Boulevardpresse zuvorkam, auch kein geflügeltes – und am Ende abgenudeltes – Wort geworden. So gesehen ist Einfachheit prägnanter. Aber sie ist auch ein Problem.

Denn: „Die Sprache ist das bildende Organ des Gedankens.“ Das hat zwar nicht Wowereit gesagt, aber immerhin Wilhelm von Humboldt (über dessen Bruder Alexander sich übrigens das Gerücht hält, dass er schwul war). Sprache bestimmt also das Denken. So assoziieren die meisten Heteros mit „homosexuell“ in erster Linie Männer, die auf Männer stehen. Frauenliebende Frauen fallen ihnen erst danach ein. Wenn überhaupt. Ausgrenzung fängt im Kopf an.

Nicht alle fühlen sich repräsentiert

Beim Thema Ausgrenzung sind wir LGBTI – der Begriff stammt aus dem Englischen und umfasst Lesben, Schwule, Bisexuelle sowie trans- und intergeschlechtliche Menschen – sensibel. Es hat also nichts mit Kompliziertheit zu tun, wenn wir so reden. Wir wollen niemanden ausschließen und präzise sein. Die Buchstaben LGBTI sind allerdings auch nicht die perfekte Lösung. Denn nicht alle von uns fühlen sich repräsentiert. Sie wollen in keine Schublade, wo L, G, B, T oder I draufsteht. Oder sie finden wie manche Transsexuelle, Transgender oder Intersexuelle, dass ihre Anliegen nicht ausreichend beschrieben werden. Ein weiterer Begriff, der alle einschließen soll, die nicht der Hetero-Norm entsprechen, ist „queer“ (sprich: kwier). Den verwendet der Tagesspiegel für seinen LGBTI-Blog.

Der Gender-Star

Ähnlich verhält es sich mit dem Sternchen, dem sogenannten Gender-Star. Der Friedrichstadt-Palast verwendet das Zeichen konsequent in seiner Kommunikation und schreibt etwa von „Mitarbeiter*innen“. Es gebe „Geschlechterfragen und -unsicherheiten zwischen den beiden exakten Kästchen m/w“, wie Intendant Berndt Schmidt kürzlich sagte. In dem Stern sollen sich alle wiederfinden.

Es ist gewöhnungsbedürftig, nicht nur von „Schwulen“ oder „Lesben“ zu sprechen. Aber es geht. Das hat auf schreckliche Weise das Attentat von Orlando gezeigt. Während Angela Merkel zunächst herumeierte – was, siehe Humboldt, viel über ihr Denken aussagt –, sprach Barack Obama ganz selbstverständlich vom Anschlag auf Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender.

Folge 14: Wie ist das Verhältnis von Lesben und Schwulen?

Folge 13: Wie erklärt ihr euch Homophobie?

Folge 12: Warum dürfen Schwule immer noch kein Blut spenden?

Folge 11: Warum soll sich ein schwuler Fußballprofi outen?

Folge 10: Warum sind Homos so scharf aufs Heiraten?

Folge 9: Wie halten es Homos mit der AfD?

Folge 8: Haben Schwule ein besonders Gespür fürs Schöne?

Dieser Text erschien zunächst in der gedruckten Samstagsbeilage Mehr Berlin.

Haben Sie auch eine Frage an die Tagesspiegel-Homos? Dann schreiben Sie an: queer@tagesspiegel.de!

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Anja Weber hat Leon Strauß für die Ausstellung „Trans* in der Arbeitswelt“ fotografiert. Foto: Jana Demnitz
Trans*Menschen in der Arbeitswelt

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