Queer weiß das (2) : Wer von beiden wird schwanger?

Die Queerspiegel-Kolumne Heteros fragen, Homos antworten. Heute mit einer Frage zu lesbischen Müttern.

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Ein Kind mit zwei Mamas hat manchmal auch zwei Papas.
Ein Kind mit zwei Mamas hat manchmal auch zwei Papas.Foto: PICTURE ALLIANCE / DPA

Wenn ein lesbisches Paar ein Kind bekommen will – wie wird entschieden, welche der beiden Frauen es austrägt? Jan, Kreuzberg

Da haben verschiedene Paare verschiedene Strategien. Klar ist aber: Diese Frage gehört zu den leichteren, wenn es darum geht, dass zwei Frauen zusammen ein Kind bekommen. Am einfachsten ist es, wenn sich ohnehin nur eine der beiden vorstellen kann, schwanger zu werden. Hegen beide den Wunsch, werden sie eine pragmatische Lösung suchen: Welche der beiden ist jünger? Bei welcher ist aufgrund der gesundheitlichen Konstitution ein reibungsloser Schwangerschaftsverlauf zu erwarten?

Soll es nicht nur bei einem Kind bleiben, einigen sich Frauenpaare auch gern auf ein Wechselmodell: Erst wird die Ältere schwanger, dann die Jüngere. Am besten jeweils mit dem Samen desselben Spenders. Womit wir bei der weitaus schwierigeren Frage wären: Woher kommt das Sperma? Die Dienste von Samenbanken sind teuer, und sie in Anspruch zu nehmen, kompliziert. Daher suchen lesbische Paare oft im Freundes- und Bekanntenkreis nach einem Spender.

Das kann zu einem langen Auswahlprozess führen, bei dem es vor allem abzuklären gilt, welche Rolle der biologische Vater im Leben des Kindes spielen soll. Mal einigt man sich darauf, dass er sich komplett raushält, mal wird eine Dreier- oder Viererkonstellation angestrebt, in der das Kind bei den Frauen wohnt, der Vater aber regelmäßig Umgang hat. Üblicherweise adoptiert die Partnerin der Mutter das Baby, womit Unterhaltsansprüche gegenüber dem Samenspender erst mal ausgeschlossen sind.

In Regenbogenfamilien sind alle Babys Wunschkinder

Bei der Gründung von Regenbogenfamilien gibt es also vorher viel mehr zu besprechen und zu regeln als bei einer traditionellen Familiengründung. Spontaneität gehört bei queeren Familien selten dazu – dafür sind alle Babys Wunschkinder. Sie wachsen in einer noch relativ neuen Familienform auf, in der vieles erst ausgehandelt wird, was in Vater-Mutter-Kind-Haushalten häufig unhinterfragt läuft wie schon seit Jahrhunderten.

Darin liegt ein großes Glückspotenzial. Ein Baby, das Mama, Mami, Papa und vielleicht sogar noch Papi an seiner Seite hat, wird die vielfache Aufmerksamkeit nicht nur wegen des erhöhten Geschenkeaufkommens zu Geburtstagen zu schätzen wissen. Aber Achtung: Regenbogenfamilien können Neidgefühle beim Nachwuchs traditioneller Familien auslösen. So brach neulich in einer Berliner Kita ein Mädchen in Tränen aus, dessen Freundin bei einem Lesbenpaar groß wird: „Ich will auch zwei Mamas“, schluchzte die Kleine. Nadine Lange

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Dieser Text erschien zunächst in der gedruckten Samstagsbeilage Mehr Berlin.

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