Queer weiß das (31) : Hat Berlin etwa keine Lesbenbar?

Unserer Kolumne im Queerspiegel: Heteros fragen, Homos antworten. Heute geht es um die Berliner Lesbenszene.

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Lesbisches Leben. Seit die Serene-Bar in Kreuzberg weggentrifiziert wurde, hat Berlin keine Lesbenbar mehr.
Lesbisches Leben. Seit die Serene-Bar in Kreuzberg weggentrifiziert wurde, hat Berlin keine Lesbenbar mehr.Foto: dpa/p-a

Neulich hatte ich in Berlin Besuch von einer lesbischen Freundin vom Land. Sie freute sich auf einen Abend in einer Lesbenbar, fand aber im Internet keine. Hat sie falsch gesucht? - Martina, Mitte

Wer nach Berlin kommt, erwartet eine Menge. Eine lesbische Touristin stellt sich Berlin also als lesbischen Hotspot vor: Der Abend beginnt in dieser Fantasie im Restaurant Lesbos, wo am Nebentisch Anne Will und Miriam Meckel speisen. Danach zur Party ins riesige For Her, wo im Halbdunkel Ellen Page mit Kristen Stewart knutscht. Zum Chillaxen ins Papa Lesbo, am Tresen diskutiert Judith Butler mit Carolin Emcke und Antje Rávic Strubel. Kommt das lesbische Landei dann nach Hause, hat es was zu erzählen.

Noch vor zehn, zwanzig Jahren gab es in Berlin mehrere Lesbenbars

Leider sind alle diese Orte ausgedacht. Seit die Serene-Bar in Kreuzberg im Januar dicht gemacht hat, gibt es in Berlin tatsächlich keine einzige Lesbenbar mehr. Das war mal anders: Noch vor zehn, zwanzig Jahren gab es gleich mehrere: das Lipstick in Charlottenburg, Die Zwei in Spandau, das berüchtigte Pour Elle in Schöneberg oder das „Freizeitheim“ in Prenzlauer Berg. Sogar ein lesbisches Restaurant gab es, das Dinelo in Schöneberg.

Ein möglicher Grund für den Schwund: Frauen verdienen weniger als Männer, deshalb können Lesben weniger Geld in der Gastronomie lassen als Schwule. So blüht die schwule Szene, die lesbische ist prekär. Die Serene-Bar existierte trotzdem über zehn Jahre lang. Und es gäbe sie noch heute, wäre sie nicht weggentrifiziert worden. Wegen der steigenden Mieten wird es für Gastronominnen riskanter, eine Lesbenbar zu eröffnen.

Manche Lesben identifizieren sich als "queer" und gehen lieber in queere Clubs

Bleiben Lesben nun aber abends lieber auf dem Sofa und gucken sich die Fotos vom letzten Hiddensee-Urlaub an? Das wäre neu. Vielleicht legen jüngere unter ihnen aber einfach nicht mehr so viel Wert auf Partys an lesbischen Orten, weil sie sich inzwischen stärker gesellschaftlich akzeptiert fühlen oder weil sie sich allgemein als „queer“ identifizieren und darum lieber in queere Clubs wie das Silverfuture in Neukölln gehen.

Selbst wenn Berlin keine Lesbenbars mehr hat, gibt es hier viele Partys für Lesben. Hunderte tanzen einmal im Monat im Schwuz bei der „L-Tunes“-Party. Im Möbel Olfe am Kotti ist immer dienstags „Mädchendisko – ein Abend für Lesben, Frauen und Trans*“, in der Bar Rakete in der Schönhauser Allee ist freitags „Lesbenbar“, im Sonntagsclub der „Frauenfreitag“. Auch in der Begine in Schöneberg gibt es regelmäßig Partys für Lesben und andere Frauen.

Die Berliner Lesbenszene ist also immer noch besser als die in Neukirchen. Eine Lesbenbar würde der Hauptstadt aber gut zu Gesicht stehen.

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Folge 25: Stehen viele Schwule auf Leder und Gummi?

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Folge 23: Was haben Lesben gegen Trans-Männer?

Folge 22: Wonach sucht ihr eure Partner aus?

Folge 21: Warum müsst ihr mitteilen, homosexuell zu sein?

Folge 20: Ist Homosexualität angeboren?


Dieser Text erschien zunächst in der gedruckten Sonnabendsbeilage Mehr Berlin.

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